Tipps zur Mitarbeiterbindung in Krisenzeiten: Ein Drittel der Mitarbeiter mögen ihren Arbeitgeber durch die Krise mehr

Veröffentlicht am 23.3.2021 von Ines Bahr

Die Pandemie hat so einiges auf den Kopf gestellt. Während wenige Mitarbeiter während der Krise den Job wechselten, besteht jedoch die Gefahr, dass es nach Krisenzeit zu einer höheren Mobilität der Arbeitskräfte kommt. Mehr denn je kommt es jetzt auf die richtigen Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung an, um dies zu vermeiden. 

Mitarbeiter binden in Krisenzeiten

Krisenzeiten sind herausfordernd für Arbeitgeber und Manager. Sie können jedoch auch genutzt werden, um eine tiefere Mitarbeiterbindung aufzubauen. Eine ehrliche und offene Kommunikation, kontinuierliche Weiterbildung sowie die Bereitstellung der wichtigen Tools, wie Team-Kommunikation Software und Sicherheitssoftware sind in Krisenzeiten besonders wichtig. 

Um mehr darüber zu erfahren, wie sich die Sicht auf Arbeitgeber in der Krise verändert hat, welche neuen Fertigkeiten in der Krise erlernt wurden und welche Faktoren bei der Jobwahl am wichtigsten sind, führten wir eine Studie mit über 7900 Mitarbeitern aus kleinen und mittelständischen Unternehmen durch. Die Teilnehmer kommen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Spanien, Italien, dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada und Brasilien. Davon wurden 1098 Teilnehmer aus Deutschland befragt.

Mitarbeiter binden in Krisenzeiten Studienergebnisse

Unternehmen, die in der Krise richtig reagiert haben, konnten Mitarbeiter binden 

Arbeitgeber, die in der Krise gut reagiert und ihr Team unterstützt haben, konnten viele Pluspunkte sammeln und Mitarbeiter binden. 33 % der Mitarbeiter geben an, dass die COVID-19-Pandemie ihre Ansicht zu ihrem aktuellen Job positiv verändert hat und sie ihren Job und Arbeitgeber jetzt mehr schätzen.

13 % der Mitarbeiter schätzen ihren Job und Arbeitgeber jetzt weniger. Als Hauptgrund dafür wird angegeben, dass der Arbeitgeber hat nicht zufriedenstellend auf die Pandemie reagiert (45 %). Für 35 % der Mitarbeiter ist ihr Job seit der Pandemie eintönig, langweilig oder repetitiv geworden und für 21 % hat der Job durch die Krise seine Bedeutung verloren.

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland jedoch mit nur 13 % an Mitarbeitern, die ihren Arbeitgeber durch die Krise weniger schätzen, gut ab.

Mitarbeitersicht auf Arbeitgeber

Wir haben 5 Tipps für Unternehmen, wie sie Mitarbeiter in Krisenzeiten binden können. 

5 wichtige Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung 

1. Mitarbeiter binden mit flexiblen Arbeitsstrukturen

Die Möglichkeit remote zu arbeiten ist der 3. wichtigste Faktor bei der Jobwahl

21 % der Mitarbeiter wollen nach der Krise ihren Job wechseln. Davon planen 13 % einen neuen Job in der gleichen Branche zu suchen und 8 % suchen nach einem Job in einer anderen Branche. Was sind die wichtigsten Faktoren bei der Jobwahl?

Wichtige Faktoren bei der Jobwahl zur Mitarbeiterbindung

Im internationalen Vergleich fällt auf, dass Deutschen besonders wichtig ist, eine Arbeit zu tun, die sie begeistert und für ein Unternehmen zu arbeiten, das sinnvolle Arbeit leistet. Besonders Letzteres ist für den internationalen Durchschnitt weniger wichtig. 

Auch die Möglichkeit remote zu arbeiten wurde von 30 % als einer der wichtigsten 3 Faktoren bei der Jobwahl gewählt. Nur 9 % der befragten Mitarbeiter wollen nach der Krise täglich an die Arbeitsstelle zurück. Für Arbeitgeber wird es daher entscheidend in Zukunft flexible Arbeitsmodelle einzurichten, die Remote-Arbeit ermöglichen. 

Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten werden viel geringer als im internationalen Vergleich bewertet. In Deutschland haben die wenigsten Mitarbeiter während der Krise Schulungen erhalten. 

2. Mitarbeiter binden mit kontinuierlicher Weiterbildung 

70 % haben keine neuen Fertigkeiten für Ihren Beruf erworben 

Im internationalen Vergleich haben Deutsche am wenigsten Schulungen erhalten bzw. neue Fähigkeiten erlernt. Die Aneignung neuen Wissens, um sich anzupassen oder weiterzuentwickeln, bringt ebenso viel für das Wohlbefinden des Mitarbeiters wie für das Wachstum des Unternehmens.

Neu erlernte Fertigkeiten in der Krise

Lediglich 30 % haben sich selber Schulungen gesucht oder erhielten Trainings von ihrem Arbeitgeber/der Regierung. Dabei sind die meisten neu erlernten Fertigkeiten zu den Themen: 

  • IT-Kenntnisse wie Programmieren oder Cybersicherheit (24 %) 
  • Finanzen und Administration (18 %)
  • Vertrieb (17 %)
  • Gesundheit und Wohlbefinden (16 %) und
  • Persönliche Produktivität (16 %)

3. Mitarbeiter binden mit Schulungen zum Thema Gesundheit & Wohlbefinden 

Nur 16 % erhielten Schulungen zum Thema Gesundheit und Wohlbefinden.

Schulungen zu Gesundheit und Wohlbefinden sind in Zeiten von COVID-19 und Home-Office wichtig und sollten unbedingt von jedem Arbeitgeber angeboten werden.

Der Übergang zum Arbeiten von zu Hause aus hat dazu geführt, dass sich viele Mitarbeiter mehr denn je überarbeiten. Der Druck der Dauererreichbarkeit stellt eine große Belastung für Mitarbeiter dar. Eine ausgewogene Balance zwischen Arbeits- und Privatleben zu finden gestaltet sich häufig schwierig. Die Fernarbeit geht oft zulasten des Privatlebens. So erleben 44 % der Angestellten zu einem gewissen Grad einen Burnout, seit sie im Home-Office arbeiten. Schulungen und Hilfestellungen zum Thema Gesundheit und Wohlbefinden sind daher besonders wichtig, um Mitarbeiter zu unterstützen und ihre Produktivität zu fördern. 

Was können Arbeitgeber tun, um das Burnout-Risiko ihrer Mitarbeiter zu verringern:

  • Du solltest wissen, wie die Symptome von Burnout aussehen. Nicht jedes Anzeichen von Burnout ist offensichtlich. Wenn du in der Lage bist, Burnout früh genug zu erkennen, kannst du intervenieren, bevor es schlimmer wird.
  • Implementiere mehrere Möglichkeiten für Mitarbeiter, über Probleme zu sprechen. Mitarbeiter fühlen sich nicht immer wohl dabei, ihre psychische Gesundheit mit ihrem Vorgesetzten zu besprechen. Richte verschiedene Möglichkeiten für Mitarbeiter ein, Burnout-Probleme anzusprechen (Einzelgespräche, anonyme Umfragen, Hilfsprogramme für Mitarbeiter usw.). 
  • Um den Stress der Dauererreichbarkeit von den Mitarbeitern zu nehmen ist es wichtig, dass du Regelungen zu Arbeitszeiten sowie zur konkreten Erreichbarkeit festlegst. In Kernarbeitszeiten müssen Mitarbeitende erreichbar sein. Außerhalb der Kernarbeitszeiten muss damit gerechnet werden, dass auf Anfragen am nächsten Tag geantwortet wird.

4. Mitarbeiter binden mit der Bereitstellung der wichtigsten Tools

43 % nutzen keine digitalen Tools für die Cybersicherheit

Die Bereitstellung der wichtigsten Tools für produktives Remote-Arbeiten stellt einen wichtigen Faktor der Mitarbeiterbindung dar. Die meisten Tools werden für die Übertragung und Speicherung von Dateien verwendet, für die Onlinekommunikation und die persönliche Organisation mit Task-Managern oder To-Do-Listen.

Anzahl an verwendeten Tools

Es fällt jedoch gleich der Mangel an Software für die Cybersicherheit ins Auge. 43 % der Mitarbeiter nutzen kein einziges Sicherheits-Tool.

26 % der Mitarbeiter in KMU waren bereits Opfer einer Phishing-Attacke. Ein Drittel dieser Angriffe bezogen sich auf das Coronavirus. Cyberkriminelle nutzen gerade die Krise und die niedrigen Sicherheitsbedingungen der remote arbeitenden Belegschaft für ihre Angriffe. Viele Cyberattacken lassen sich mit relativ einfachen Mitteln deutlich reduzieren und Mitarbeiter dadurch entlasten.

Was können Arbeitgeber tun, um die IT-Sicherheit im Home-Office zu verbessern:

  • Alle Mitarbeiter sollten Antivirussoftware und Firewalls auf allen privaten und Firmen-Geräten (Laptops, Tablets, Smartphones) installieren, mit denen auf Unternehmensdaten zugegriffen wird. Auch der Einsatz von VPNs, Passwortmanagern und E-Mail-Sicherheits-Software ist stark empfohlen. E-Mail-Sicherheitslösungen sortieren schädliche E-Mails aus und verringern das Risiko eines Phishing-Angriffs deutlich. 
  • Neben dem Einsatz der richtigen Sicherheitssoftware solltest du den Schwerpunkt auf die Schulung deiner Mitarbeiter legen, damit sie gängige Hacker-Strategien wie Phishing erkennen und wissen, an wen sie sich im Falle eines IT-Notfalls wenden können. 
  • Erstelle einen Geschäftskontinuitätsplan, um auf Risiken vorbereitet zu sein und im Notfall richtig zu reagieren. Ein Geschäftskontinuitätsplan (auch Business Continuity Plan) umfasst unter anderem Strategien, um den IT-Betrieb unter Krisenbedingungen sicherstellen sowie IT-Prozesse nach einem Ausfall wiederherzustellen.

Die meisten Mitarbeiter (79 %) geben an nicht oder wenig von der Anzahl an verwendeten Tools überfordert zu sein. Unternehmen sollten sich daher nicht scheuen mehr Tools, vor allem für die IT-Sicherheit in ihrem Unternehmen, einzuführen. 

5. Mitarbeiter binden durch den richtigen Einstellungs- und Onboardingprozess

47 % bevorzugen einen persönlichen Bewerbungs- und Onboardingprozess

Bereits bei dem Einstellungsprozess und dem Onboarding von Mitarbeitern kann die Basis zur Mitarbeiterbindung gelegt werden. Ein erfolgreiches Onboarding spielt eine entscheidende Rolle für die Bindung und Motivation der Angestellten und schafft von Anfang an Sicherheit und Vertrauen in das Unternehmen.

Nur 7 % der befragten Mitarbeiter in Deutschland haben während der Krise ihren Job gewechselt. Davon haben 4 % freiwillig gewechselt, 3 % wurden entlassen. Wir wollten wissen welche Teile des Recruiting- und Onboarding-Prozesses für den neuen Job digital durchgeführt wurden. 

Digitales Recruiting und Onboarding

In Deutschland (sowie weltweit) laufen die meisten Bewerbungsprozesse noch analog ab. Die Krise hat jedoch dazu geführt, dass virtuelle Bürobesuche und Treffen mit den Kollegen stattfinden. Auch ein Viertel der Jobinterviews sind während der Krise remote geschehen. 

Einer Studie von recruitee zufolge, hat die Anzahl an Video-Job-Interviews um 200 % zugenommen. Die Dauer der einzelnen Gespräche ist jedoch sehr viel kürzer (15 Minuten im Durchschnitt).

47 % der Mitarbeiter geben an, dass sie die persönliche Variante des Einstellungs- und Onboardingprozesses bevorzugen. Lediglich 24 % gefällt das Remote-Recruiting besser, 29 % bewerten analog und digital gleich gut. 

Unternehmen sollten die Präferenzen der Mitarbeiter berücksichtigen und gegebenenfalls vor dem Einstellungsprozess fragen, ob die persönliche oder digitale Variante bevorzugt wird. Auch die Dauer der Interviews sollte länger sein. In 15 Minuten wird den Kandidaten wohl kaum genügend Zeit gegeben, um ihre Fähigkeiten und Persönlichkeit zu präsentieren.

Bewerber sollten sich jedoch vor Augen halten, dass bei einem Video-Interview zahlreiche nonverbale Eindrücke fehlen (wie ein Händeschütteln, Sitzhaltung, Etikette), die manchen Recruitern vermeintlich Aufschluss über den Charakter eines Kandidaten geben. Das Fehlen dieser Eindrücke bei Remote-Interviews ist meiner Meinung nach aber eher ein positiver Effekt und führt zu mehr Fairness im Bewerbungsprozess.

Gemischte Gefühle beim digitalen Wandel des Personalbereichs

Der digitale Wandel im Personalwesen wird mit gemischten Gefühlen betrachtet. Auch wenn Mitarbeiter gerne von zu Hause arbeiten und das auch in Zukunft wollen, haben sie doch mit Problemen wie Burnout im Home-Office zu kämpfen. Mitarbeiter sind nicht von den eingesetzten Tools überfordert und viele schätzen ihren Arbeitgeber durch die Krise mehr. Generell haben wenig Mitarbeiter ihren Job gewechselt. Auf der anderen Seite wurden wenig Möglichkeiten genutzt sich in der Krise weiterzubilden. Weder die Arbeitgeber haben Schulungen angeboten, noch die Mitarbeiter selbst nach Weiterbildungsmöglichkeiten gesucht. 

Für KMU ist es unerlässlich, Mitarbeiter in ihrer Karriereentwicklung zu unterstützen, sowohl um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, als auch für das Wohlbefinden der Angestellten.

Lesetipps:

Wie geht es weiter? Wirf einen Blick auf unser HR Software oder Recruiting Software Verzeichnis, um das passende Tool zu finden.

Methodik der Umfrage

Die Capterra “Personalwesen im Zeitalter von Home-Office und Wohlbefinden” Umfrage wurde im Januar 2021 durchgeführt. Wir befragten Mitarbeiter in Unternehmen mit 2-250 Mitarbeitern in den folgenden Ländern:

  • Deutschland (1098 Antworten)
  • Frankreich (1001 Antworten)
  • Italien (1000 Antworten)
  • Spanien (999 Antworten)
  • Niederlande (883 Antworten)
  • UK (1050 Antworten)
  • Kanada (1012 Antworten)
  • USA (922 Antworten)
  • Brasilien (994 Antworten)

Die Antworten stellen eine repräsentative Stichprobe (nach Alter und Geschlecht) der Bevölkerung der einzelnen Länder dar. 

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Über den Autor oder die Autorin

Senior Content Analyst für Capterra und GetApp. Spezialisiert auf Studien und Digitalisierungs-Tipps für KMU. Masterstudium in Medien und Kommunikation, lebt im sonnigen Barcelona.

Senior Content Analyst für Capterra und GetApp. Spezialisiert auf Studien und Digitalisierungs-Tipps für KMU. Masterstudium in Medien und Kommunikation, lebt im sonnigen Barcelona.