Der wachsende Trend von Buy now, Pay later (BNPL)

Veröffentlicht am 20.7.2022 von Ines Bahr

Ein gewünschtes Produkt heute kaufen und sich erst später um die Bezahlung kümmern? Das klingt verlockend. Mit dem wachsenden Trend der Zahlungsmethode Buy now, Pay later, kurz BNPL oder auf Deutsch “jetzt kaufen, später bezahlen” ist das jetzt auch einfach möglich. Unsere Studienergebnisse zeigen, wie attraktiv BNPL für deutsche Online-Shopper ist. 

Der wachsende Trend von Buy now, Pay later (BNPL)

Nachdem wir uns die wichtigsten Online-Payment-Trends in Deutschland angeschaut haben, wollen wir in diesem Artikel einen genaueren Blick auf Buy now, pay later (BNPL) werfen und uns anschauen, was Nutzer von dem Service dazu zu sagen haben. Capterra führte die Studie mit 1026 Online-Einkäufern aus Deutschland durch. Welchen Anbieter haben sie verwendet, welche Vor-und Nachteile sind ihnen begegnet und was ist passiert, wenn sie nicht rechtzeitig bezahlen konnten? Dies und vieles mehr schauen wir uns in diesem Artikel an. Die vollständige Studienmethodik befindet sich am Ende des Artikels. 

Was ist BNPL überhaupt? 

Heutzutage kann die Bezahlung eines Produkts auf Kredit auf verschiedene Weise erfolgen, z. B. mit der Kreditkarte, in dem der Kauf getätigt wird und die Bank oder das Geschäft dem Kunden den Kredit gewährt. Diese traditionelle Form des Kreditkaufs hat einen neuen Konkurrenten namens “Buy Now, Pay Later”, auch bekannt als BNPL oder auf Deutsch “jetzt kaufen, später bezahlen”.

Bei BNPL handelt es sich um eine Kreditmethode, bei der ein Dritter, bei dem es sich weder um die Bank noch um das Geschäft selbst handelt. Dieser Dritte leiht bei einem Kauf eines Produkts dem Kunden das Geld, welches der Kunde in Raten abbezahlen muss. Und das geschieht in der Regel ohne Zinsen. Diese Dienstleistung kann von einem spezialisierten Anbieter in diesem Bereich erbracht werden und wird hauptsächlich für Online-Käufe angeboten.

Damit ein Unternehmen einen BNPL-Dienst als Zahlungsabwicklungsoption einführen kann, muss es eine Partnerschaft mit dem Dienstleister eingehen. Das bedeutet, dass das Geschäft dem Kunden bei der Auswahl der Zahlungsmethode eine Auswahl an BNPL-Anbietern anbietet.

Vorteile von BNPL

Für Kunden hat diese Bezahlmethode einen großen Vorteil. Die Bestellung des gewünschten Produkts kann geschehen, ohne dass man sich direkt um die Bezahlung kümmern muss. Kunden müssen jedoch aufpassen, nicht den Überblick über verschiedene offene Rechnungen zu verlieren. Verspäten sie sich mit Rückzahlungen drohen Mahngebühren. 

Für Händler liegt der Hauptvorteil in einem verbesserten Kundenerlebnis. Wie wir in dem ersten Teil der Studie gesehen haben, riskieren Online-Shops, die nicht die richtige Zahlungsmethode anbieten, 37 % ihrer Kundschaft zu verlieren. Für Kunden ist es entscheidend ihre bevorzugte Zahlungsmethode in einem Online-Shop zu finden. Auch ist die Möglichkeit ein Produkt zu kaufen und erst später zu bezahlen ein Anreiz auf die Kaufbereitschaft. 

Wie beliebt ist jetzt kaufen, später bezahlen in Deutschland? 

40 % der deutschen Online-Shopper haben BNPL bereits genutzt. In Spanien liegt diese Zahl im Vergleich bei 22 %, also fast halb so hoch wie in Deutschland. Dabei sind Klarna und PayPal mit Abstand die beliebtesten Anbieter. Unter den BNPL-Nutzern, haben bereits 66 % Klarna genutzt und 63 % PayPal. An dritter Stelle liegt Afterpay mit lediglich 9 % an Nutzern. 

PayPal ist in Deutschland mit Abstand das beliebteste Zahlungsmittel, gefolgt von der Banküberweisung und Zahlung per Kreditkarte. BNPL folgt bereits an vierter Stelle, was die Beliebtheit des Zahlungsservices weiter zeigt. 

Warum ist BNPL so beliebt? 

Die Gründe, warum so viele deutsche Online-Shopper BNPL bereits genutzt haben, sind ganz verschieden. 

Hauptgrund der BNPL-Nutzung

Unter den sonstigen Antworten befanden sich weitere interessante Gründe für die Wahl von BNPL. Es wiederholen sich hier die Gründe, dass Kunden bei einer Retoure oder beschädigten Ware nicht in Vorleistung gehen müssen. Hier sind drei Zitate unserer Umfrageteilnehmer.

  • “Falls ich den Artikel zurückgebe, muss ich nicht auf die Erstattung meines Geldes warten”
  • “Ich kann bezahlen, wenn ich weiß, dass ich das Produkt behalte und es mangelfrei ist“
  • “Um bei einem Problem (Stichwort: Käuferschutz) nicht bereits in Vorleistung gegangen zu sein” 

Der Grund, dass Kunden zum Kaufzeitpunkt nicht das nötige Geld hatten, um das gewünschte Produkt zu kaufen, ist bei 14 % der Hauptgrund für die Verwendung von BNPL. Die Vermutung lag nahe, dass diese Zahl höher liegt. 

Nutzer sind mit Buy now, pay later zufrieden. 45 % geben an, dass sie jetzt kaufen, später bezahlen, im Notfall wiederverwenden würden, 50 % planen den Zahlungsservice sogar regelmäßig zu nutzen. Lediglich 5 % wollen BNPL nicht mehr verwenden. 

Wie sieht der typische BNPL-Nutzer aus? 

Wir haben anhand unserer Umfrageergebnisse analysiert, welche Konsumenten BNPL bereits genutzt haben und welche nicht. Wir haben dabei die Faktoren Alter, Geschlecht, Einkommen, Technikaffinität und aktuelle Schulden angeschaut.  

  • Jüngere Generationen nutzen BNPL deutlich mehr als Ältere: Die Nutzung liegt bei den 18- bis 25-Jährigen bei 64 %. Bei den 56- bis 65-Jährigen dagegen nur bei 26 %. 
  • Frauen nutzen BNPL mehr als Männer: Die Nutzerzahlen bei Frauen liegen bei 44 %, während nur 37 % der Männer unserer Umfrage, BNPL bereits genutzt haben. 
  • Das Einkommen hat keinen sichtbaren Einfluss auf die BNPL Nutzung:  Wir untersuchten, ob mit niedrigerem Einkommen die Nutzerzahlen steigen, jedoch gibt es hier keinen erkennbaren Zusammenhang.
  • Die Nutzung liegt bei technikaffinen Konsumenten höher: 55 % derjenigen, die neue Technologien ausprobieren, sobald sie auf dem Markt sind, und sich als Trendsetter verstehen haben BNPL bereits genutzt. Unter denjenigen, die ihre Technologienutzung auf ein Minimum beschränken sind es 33 %. 
  • Konsumenten mit Schulden nutzen mehr BNPL: Nur 33 % der Konsumenten, die noch nie verschuldet waren, haben BNPL schon mal genutzt, 40 % der Konsumenten, die im Moment nicht verschuldet sind, es aber bereits waren. Unter Konsumenten, die Schulden haben sind die BNPL-Nutzungszahlen deutlich höher. 58 % der Konsumenten mit unter 5000 Euro Schulden haben BNPL bereits genutzt. Bei Konsumenten mit Schulden zwischen 5.001 und 10.000 Euro sind es 48 % bei Konsumenten mit Schulden zwischen 10.000 und 20.000 sind es 65 %. 
  • Nutzer, die ihre Finanzen schlechter im Griff haben, nutzen mehr BNPL: Wir fragten die Konsumenten einzuschätzen, wie gut sie ihre Finanzen im Griff haben. Unter den Konsumenten, die ihre Finanzen sehr gut im Griff haben, haben nur 33 % BNPL genutzt. Dagegen sind es 64 % unter denjenigen, die ihre Finanzen eher schlecht im Griff haben. 

Wofür wurde BNPL verwendet? 

Wir fanden interessant zu untersuchen, ob BNPL für essenzielle Produkte verwendet wurde, wie zum Beispiel für Lebensmittel, Babyprodukte, bildungsbezogene oder gesundheitsbezogene Produkte oder ob BNPL eher für Mode, Elektronik und Reisen genutzt wurde. 

Welche Produkte Konsumenten mit jetzt kaufen später bezahlen gekauft haben

Die am meisten gekauften Produkte sind solche, die allgemein als nicht lebensnotwendig angesehen werden.

Jetzt kaufen, später bezahlen bringt viele Vorteile und stößt auf große Beliebtheit. Jedoch birgt der Service auch Gefahren, die zum Beispiel mit ungeplanten Käufen, Schulden und Mahngebührenzahlungen enden können. 

Wo liegen die Gefahren von BNPL?

1. Ungeplante Käufe 

Fast die Hälfte der BNPL-Nutzer (49 %) gibt an, dass sie etwas oder sehr viel wahrscheinlicher einen ungeplanten Kauf tätigen würden, wenn BNPL verfügbar ist. 

Ungeplante Käufe mit BNPL

2. Mahngebühren bei verspäteter Zahlung 

Die gute Nachricht ist, dass 93 % der BNPL-Nutzer unserer Umfrage den Betrag rechtzeitig zurückgezahlt haben. Die restlichen 7 % erklären, was bei verspäteter Zahlung passiert: 

  • Es wurde eine Gebühr für die verspätete Zahlung fällig (63 %) 
  • Ich wurde verwarnt (43 %) 
  • Ich konnte keine weiteren Käufe tätigen (33 %) 
  • Es hat meine Kreditwürdigkeit beeinträchtigt (27 %) 

Die Mahngebühren sind ziemlich saftig. Und sollte der Händler die Schulden an ein Inkassounternehmen abgeben, dann kann es erst richtig teuer werden. 

Einige BNPL-Anbieter ermöglichen es den Nutzern, ein mit ihrem Bankkonto verknüpftes Konto einzurichten, um ihre monatlichen Zahlungen automatisch zu begleichen. Online-Shops könnten ihren Kunden diesen Hinweis auf ihrer Website geben, damit sie keine Mahngebühren zahlen müssen.

3. Drohende Überschuldung 

 Durch die Einfachheit per Mausklick eine Ware auf Rechnung zu bestellen, ist die Gefahr hoch, dass Konsumenten Produkte kaufen, die sie sich gar nicht leisten können. Vor allem bei jungen Nutzern ist dies eine große Gefahr, die nicht unterschätzt werden darf. 

Die Online-Shopper unserer Umfrage (Nutzer sowie nicht Nutzer von BNPL) finden daher, dass den Anbietern von Jetzt kaufen, später zahlen-Services Vorschriften auferlegt werden sollten, um Gefahren der Überschuldung zu verringern. Unter den Beschränkungen sind ganz vorne mit dabei eine Obergrenze für BNPL-Ausgaben aufzuerlegen und eine Altersbeschränkung zu erlegen. 

Vorschriften für Anbieter von jetzt kaufen später bezahlen

Was Nutzer von BNPL beachten sollten 

Der Service bietet viele Möglichkeiten. Er sollte aber unter Vorsicht betrachtet werden. Damit Konsumenten den Gefahren von BNPL ausweichen können, haben wir ein paar Tipps: 

  • Fälligkeiten immer rechtzeitig zurückzahlen: Einnahmen und Ausgaben sowie Fälligkeitsdaten können als Hilfe digital notiert und verwaltet werden. Das kann zum Beispiel in einer Aufgabenmanagement-Software oder einer Notiz-Software geschehen. 
  • Den Gesamtbetrag betrachten: Lasse dich nicht von niedrigen Raten blenden, sondern behalte immer den Gesamtbetrag und deine finanzielle Situation im Auge. 
  • Einen Tilgungsplan aufstellen: Wenn du mehrere Finanzierungen hast, kann dir ein Tilgungsplan helfen, in dem deine Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt werden.
  • Die AGBs lesen: Überprüfe, ob Zinsen, Mahn- und Säumnisgebühren usw. erhoben werden. Prüfe auch, ob du ein mit BNPL gekauftes Produkt zurückerstattet bekommst, wenn du es zurückgeben möchtest.

Was heißt das für BNPL-Anbieter und Online-Shops? 

Auch wenn 62 % der BNPL-Nutzer keine Nachteile in dieser Zahlungsmethode finden konnten, nennen uns die restlichen 38 % ein paar Schwierigkeiten mit dem Service. Die meistgenannten Nachteile sind dabei: 

  • Technische Probleme beim Bezahlprozess (12 %)
  • Man kann niemanden um Hilfe bitten (10 %) 
  • Ich habe keine Warnung erhalten, bevor die Zahlungen getätigt wurden (9 %)
  • Schwierigkeiten beim Zurückgeben oder Ändern der Bestellung (9 %) 

Online-Shops sollten ihre Kunden so transparent wie möglich über alle mit BNPL zusammenhängenden AGBs informieren, z. B. darüber, was passiert, wenn ein Produkt zurückgegeben wird.

Online-Shops, die eine Zahlung per Buy now, pay later noch nicht anbieten, sollten sich über eine Implementierung Gedanken machen: vor allem, wenn sie nicht essenzielle Produkte verkaufen, die sich an jüngere Verbraucher richten. 

Wie die Umfrageergebnisse gezeigt haben, erfreut sich dieser Zahlungsservice an zunehmender Beliebtheit. Online-Shops sollten nicht riskieren Kundschaft zu verlieren, da sie nicht die passende Zahlungsmethode anbieten. Bei der Wahl einer Zahlungsabwicklungs-Software sollten sie daher darauf Rücksicht nehmen, dass sie die BNPL-Zahlungsmethode auch ermöglicht.

Willst du mehr erfahren? Dann wirf einen Blick auf unser Zahlungsabwicklungs-Software Verzeichnis, um weitere Produkte zu entdecken.


Methodik: 

Um die Daten für diesen Bericht zu sammeln, führten wir im März und April 2022 eine Online-Umfrage durch. Die Umfrage wurde an 2009 Teilnehmer versandt, von denen 1026 Verbraucher für die Teilnahme ausgewählt wurden. Die Auswahlkriterien für die Teilnehmer lauten wie folgt:

  • Teilnehmer sind zwischen 18 und 75 Jahre alt
  • Haben ihren Wohnsitz in Deutschland
  • Kaufen mindestens einmal im Monat online ein (für ihren privaten Gebrauch)
  • Wissen was “Jetzt kaufen, später bezahlen”-Plänen bzw. „Buy now, pay later“ (BNPL) ist 

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Über den Autor oder die Autorin

Senior Content Analyst für Capterra und GetApp. Spezialisiert auf Studien und Digitalisierungs-Tipps für KMU. Masterstudium in Medien und Kommunikation, lebt im sonnigen Barcelona.

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