Ist Kryptowährung die Zukunft in Deutschland? 

Veröffentlicht am 3.1.2022 von Ines Bahr

Capterra hat eine Studie über Kryptowährungen durchgeführt und dazu 7890 Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, UK, Brasilien, Kanada und Australien befragt (darunter 1012 aus Deutschland). Im ersten Teil des Reports schauten wir uns den typischen deutschen Kryptonutzer und seine Nutzung von Kryptowährungen und Wallets an. 

In diesem Teil werden wir uns den Fragen widmen: Wie viel Vertrauen haben Deutsche in Krypto im Vergleich zu herkömmlichen Bankmethoden und ist Kryptowährung die Zukunft? Die vollständige Methodik der Studie befindet sich am Ende des Artikels. 

Ist Kryptowährung die Zukunft in Deutschland?

Highlights der Studie: 

  • 40 % vertrauen in Kryptowährungen, wenn es um die sichere Online-Zahlung geht
  • 17 % bevorzugen Kryptowährungen als Standardwährung in den nächsten 5 Jahren
  • 69 % haben Bedenken bezüglich CBDCs

Haben Kryptowährungen Zukunft? Die Pandemie treibt digitale Währungen voran

COVID-19 hat dazu geführt, dass deutlich mehr Deutsche Interesse an Kryptowährungen gezeigt haben. Dennoch sehen die Zahlen in Deutschland gering aus. Nur 16 % der Umfrageteilnehmer geben an, Kryptowährungen momentan zu nutzen oder schon mal genutzt zu haben. 33 % besitzen die digitale Währung nicht, sind aber an ihr interessiert, während 51 % kein Interesse zeigen. Das liegt vor allem daran, dass ihnen die Währung zu riskant ist. 

Von den Nutzern und den geplanten Krypto-Nutzer (49 %) geben 66 % an, während der Pandemie investiert bzw. geplant zu investiert haben. Die Hauptgründe dafür sind, dass Teilnehmer Zeit hatten, zu recherchieren (38 %) und ihr Interesse gewachsen ist, weil mehr Menschen Kryptowährungen gekauft haben (25 %). 28 % investieren bzw. planen zu investieren aufgrund von der Empfehlung von Freunden und Verwandten. 

Ein kurzer Ausflug in die Blockchain

Die Technologie, auf der die meisten Kryptowährungen beruhen ist die Blockchain. Sie kann für verschiedene Dienste genutzt werden wie Peer-to-Peer-Transaktionen, die Bezahlung von Produkten, Immobilienregister, intelligente Verträge für Darlehen oder Kredite und vieles mehr.

Banken bieten diese Dienstleistungen auch an. Der Unterschied besteht darin, dass bei der Verwendung von Kryptowährungen die Transaktionen von einem dezentralen Netzwerk und nicht von einer zentralen Behörde durchgeführt und validiert werden. 

Was ist die Blockchain? 

Blockchain ist ein Netzwerk von Computern, die mithilfe von Verschlüsselungstechnologie zusammenarbeiten, um ein gemeinsames Hauptbuch zu erstellen, zu pflegen und zu aktualisieren, welches Aufzeichnungen über Transaktionen enthält, aber die Anonymität der Parteien wahrt. Alle Knotenpunkte enthalten eine aktuelle Kopie dieses Hauptbuchs.

Die Blockchain-Technologie ist so konzipiert, dass jede Seite (oder jeder Block) des Hauptbuchs auf die letzte Seite und die nächste Seite verweist, was eine Manipulation nahezu unmöglich macht, da man dazu alle Seiten (Blöcke) aller Kopien des Hauptbuchs (Blockchain) auf den Knoten des Netzes manipulieren müsste. 

Anonyme Transaktionen auf der Blockchain

Eine Kryptowährung unterscheidet sich von Fiat-Geld, da sie nicht von einer Regierung oder einer zentralen Institution reguliert wird. Das funktioniert durch die Vereinbarung eines dezentralen Netzwerks, das aus Computern von Einzelpersonen auf der ganzen Welt besteht. Kryptowährungstransaktionen werden anonym durchgeführt, ohne dass zwischengeschaltete Stellen (z. B. eine Bank) die Transaktion genehmigen oder überprüfen müssen; der Transfer und seine Überprüfung erfolgen über das dezentrale Blockchain-Netzwerk.  

Zum Beispiel kann Person A innerhalb weniger Minuten x Kryptowährungen an Person B senden. Weder Person A noch Person B noch das Netz, über das die Transaktion abgewickelt wird, werden über persönliche Daten der Teilnehmer informiert. Die Transaktion wird in einem Hauptbuch aufgezeichnet, auf das jeder zugreifen kann, um den Transaktionsverlauf zu lesen.

Deutsche haben mehr Vertrauen in Banken als in Kryptowährungen

Trotz der Revolution, die Kryptowährungen unter anderem für Finanzdienstleistungen und das Bankwesen mit sich bringen, ist es noch ein weiter Weg bis zur Akzeptanz, sowohl bei Privatpersonen als auch bei Institutionen und Unternehmen.

Die Studie zeigt, dass Teilnehmer sich noch mehr auf Banken verlassen, obwohl Kryptowährungen vor allem in dem Gesichtspunkt “sichere Online-Zahlungen” näher an die Banken rücken.

Vertrauen in Banken vs. Kryptowährungen

Bedenken hinsichtlich der Verwendung von Kryptowährungen für kriminelle oder illegale Zwecke

Kryptowährungen können Zeit und Geld sparen. Jedoch kann die Gewährleistung der Anonymität der Nutzer diese Technologie zu einem Werkzeug für kriminelle oder illegale Zwecke im Dark Web machen. 

62 % der Befragten geben an, dass sie darüber sehr oder ziemlich besorgt sind, 24 % haben eine neutrale Meinung zu diesem Thema, während 14 % geringe bis keine Bedenken haben, dass Kryptowährungen für illegale/kriminelle Aktivitäten genutzt werden.

Zentralbank-regulierte, digitale Währungen nach dem Vorbild von Krypto

Mehrere Länder auf der ganzen Welt erforschen und entwickeln die Einführung eigener digitaler Währungen (ein virtuelles Format der Fiat-Währung, inspiriert von der Blockchain-Technologie). In wenigen Ländern ist dies bereits die Realität (wie den Bahamas), andere Länder führen Pilotprojekte durch, z.B. China und Uruguay. Diese Währungen werden als CBDCs (Central Bank Digital Currency) bezeichnet, die von der Währungsbehörde des Landes herausgegeben und reguliert werden. Ein Beispiel für ein CBDC in Europa wäre die Schaffung eines digitalen Euros

Einige der Ziele von CBDCs sind: Bargeld zu ersetzen, schnellere Transaktionssysteme zu schaffen und die Kriminalität zu verringern. Das Konzept der CBDCs ist sehr neu, und fast die Hälfte der Befragten (46 %) weiß noch nicht, ob diese von Regierungen oder Institutionen kontrollierte digitale Währung für sie oder die Wirtschaft von Nutzen sein wird. 27 % der Befragten sind der Meinung, dass CBDCs von Vorteil wären. Ebenfalls 27 % sind der Meinung, dass sie keine gute Sache sind.

CBDCs sind Währungen, die von der Zentralbank des jeweiligen Landes kontrolliert werden, d.h. sie unterliegen einer zentralen Kontrolle. So kann das ausgebende Institut beispielsweise Transaktionen zensieren, rückgängig machen oder ihren Wert manipulieren (durch die Ausgabe von mehr Geld). Bei CBDCs gibt es auch keinen Schutz der Privatsphäre der Nutzer, da es keine Anonymität gibt. Das Bankinstitut oder die Regierung wüssten, wer solche Währungen besitzt und an wen sie übertragen werden.

69 % unserer Umfrageteilnehmer haben Bedenken bezüglich CBDCs. Die meist genannten Bedenken sind dabei: 

  • Sicherheitsbedenken: Die Plattformen könnten gehackt und das Geld gestohlen werden (31 %)
  • Bedenken bezüglich der Privatsphäre: All meine Geldbewegungen könnten direkt verfolgt werden (23 %)
  • Bedenken bezüglich der Autorität: Der Staat kann eine solche digitale Währung genau wie Fiatgeld („echtes Geld“) kontrollieren (16 %)

1 von 10 Teilnehmern hat keine Bedenken der digitalen Währung gegenüber, während 20 % sich unsicher sind. 

Die Einführung von Kryptowährungen ist auf internationaler Ebene umstritten

Es ist noch ein langer Weg, bis Kryptowährungen international als Währungen oder Vermögenswerte anerkannt werden, und es gibt viele Kontroversen und widersprüchliche Positionen. Einige Länder sind Vorreiter bei der Umwandlung in ein gesetzliches Zahlungsmittel, wie z. B. El Salvador. Seit September gilt die Kryptowährung Bitcoin in El Salvador als gesetzliches Zahlungsmittel. Auf der anderen Seite gibt es Länder, wie z. B. die Türkei, die Kryptowährungen verbieten. 

Das Interesse daran, dass eine Kryptowährung neben der lokalen Währung des Landes akzeptiert wird, ist in Deutschland im Ländervergleich niedrig. In Brasilien und Spanien ist das Interesse am höchsten. Viele Deutsche haben noch eine neutrale Haltung diesem Thema gegenüber, was auch an der Schwierigkeit dieses komplexe Thema zu verstehen liegt. 

Interesse an Kryptowährungen im Ländervergleich

Ist Kryptowährung die Zukunft? Die Zukunft des Geldes geht Richtung digital

Das Aufkommen von Kryptowährungen, ihre Technologie und ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Transaktions- und Zahlungssystemen haben die Entwicklung von digitalen Währungen vorangetrieben. Was ist also die Zukunft der Kryptowährungen? Diese Frage geht Hand in Hand mit der Frage: Was ist die Zukunft des Geldes? 

Ist Kryptowährung die Zukunft?

Noch ist Fiat-Geld die bevorzugte Standardwährung der nächsten fünf Jahre. Jedoch ist Geld auch Teil der digitalen Revolution, die wir seit einigen Jahrzehnten durchlaufen. Dieser Wandel hat sich in den letzten zwei Jahren beschleunigt, seit die Pandemie die Gesellschaft zwingt, von zu Hause zu arbeiten. Heute scheinen diese beiden Trends (Kryptowährungen mit dezentralisierten Netzwerken und CBDC mit zentralisierten Netzwerken) die wichtigsten Möglichkeiten zu sein, wie Geld gelenkt werden kann. Beide Trends haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, die sich in dem Maße ändern werden, wie sich neue Technologien entwickeln und die Gesellschaft sich an diese Geldarten anpasst. 

Was heißt das für Unternehmen? 

Vorerst sollten Unternehmen diese Trends im Auge behalten und sich mit den Vorteilen und Risiken dieser Technologie sowie den erforderlichen Implementierungs- und Sicherheitstools befassen.

Unternehmen können auch die Einführung der Bezahlung in Kryptowährungen verfolgen. Immerhin zeigen 42 % moderates bis starkes Interesse daran in Kryptowährung bezahlt zu werden, wenn dies in den nächsten fünf Jahren eingeführt würde.

Wie geht es weiter? Wirf einen Blick auf unser Krypto-Wallet Software Verzeichnis, um das passende Tool zu finden.

Methodik der Studie

Um Daten für diese Studie zu sammeln, hat Capterra im September 2021 eine Online-Umfrage mit 7890 Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, UK, Brasilien, Kanada und Australien durchgeführt. Davon konnten wir 1644 Teilnehmer identifizieren, die momentan Kryptowährungen nutzen bzw. Kryptowährungen bereits genutzt haben.

Aus Deutschland wurden 1012 Teilnehmer befragt, unter denen sich 164 Krypto-Nutzer befinden. Der Artikel fokussiert sich auf die deutschen Teilnehmer. 

HINWEIS: Dieser Artikel soll unsere Leser über geschäftsbezogene Belange in Deutschland informieren. Er ist in keiner Weise dazu gedacht, finanzielle Beratung zu leisten oder eine bestimmte Vorgehensweise zu befürworten. Ziehe für eine Beratung deiner individuellen Situation einen Buchhalter oder Finanzberater hinzu.

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Über den Autor oder die Autorin

Senior Content Analyst für Capterra und GetApp. Spezialisiert auf Studien und Digitalisierungs-Tipps für KMU. Masterstudium in Medien und Kommunikation, lebt im sonnigen Barcelona.

Senior Content Analyst für Capterra und GetApp. Spezialisiert auf Studien und Digitalisierungs-Tipps für KMU. Masterstudium in Medien und Kommunikation, lebt im sonnigen Barcelona.