Studie: Die Nutzung von Kryptowährungen in Deutschland

Veröffentlicht am 2.12.2021 von Ines Bahr

Studie zur Nutzung von Kryptowährungen in Deutschland

2021 wird wahrscheinlich als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Einführung von Kryptowährungen in Deutschland und auf der ganzen Welt in die Höhe schoss. Laut dem von der Firma ChainAnalysis (Link auf Englisch) erstellten Index ist die Verwendung von Kryptowährungen zwischen Ende 2019 und der ersten Hälfte des Jahres 2021 fast um das 25-fache gestiegen, mit einer großen Explosion gleich zu Beginn dieses Jahres. 

Capterra hat eine Studie über die Nutzung von Kryptowährungen durchgeführt und dazu 1644 Krypto-Nutzer aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, UK, Brasilien, Kanada und Australien befragt. In diesem Artikel berichten wir über die Ergebnisse des ersten Teils der Studie und schauen uns den typischen deutschen Kryptonutzer und seine Nutzung von Kryptowährungen und Wallets an. Die vollständige Methodik der Studie befindet sich am Ende des Artikels. 

Was sind Kryptowährungen? 

Beginnen wir mit einer Definition: Kryptowährungen sind virtuelle Zahlungsmittel, die in ihrer Wirkung dem digitalen Geld entsprechen und für die Durchführung jeglicher Art von Transaktionen konzipiert sind. 

Es handelt sich um Währungen, die nur in digitaler Form existieren und in der Regel nicht mit einer zentralen Ausgabe- oder Regulierungsbehörde verbunden sind, sondern ein dezentralisiertes System zur Erfassung von Transaktionen und zur Verwaltung der Ausgabe neuer Einheiten verwenden. Die Währungen stützen sich auf die Kryptographie, um Fälschungen und Betrug bei Transaktionen zu verhindern.

Diese Form der Zahlung kann online gegen Waren und Dienstleistungen ausgetauscht werden und kann für die Bezahlung, die Aufbewahrung oder die direkte Übertragung von Geld an eine andere Person (Peer-to-Peer) verwendet werden. 

Deutsche investieren im Ländervergleich am wenigsten in Krypto  

16 % der Umfrageteilnehmer aus Deutschland geben an, Kryptowährungen momentan zu nutzen oder schon mal genutzt zu haben. Davon handeln 89 % selbst mit der Währung, 11 % beauftragten einen Drittanbieter für den Kauf. 

Deutschland bildet mit einem Sechstel an Krypto-Nutzern das Schlusslicht. In unseren europäischen Partnerländern ist die digitale Währung häufiger vertreten. Besonders in Spanien, aber auch in Brasilien boomt die Nutzung. 

Die Nutzung von Kryptowährungen im Ländervergleich

Im Folgenden werden wir das Verhalten der Krypto-Nutzer in unserer Umfrage genauer unter die Lupe nehmen. Dabei fokussieren wir uns hauptsächlich auf die deutschen Teilnehmer. 

Kryptowährungen in Deutschland: Die 5 wichtigsten Erkenntnisse über Krypto-Nutzer 

1. Der Bitcoin ist die beliebteste digitale Währung 

In den letzten Jahren haben diese virtuellen Währungen einen Wachstumsboom erlebt, der im November dieses Jahres im bisher höchsten Wert des Bitcoins (Link auf Englisch) gipfelte. Der Bitcoin ist mit Abstand die beliebteste Kryptowährung unter unseren Umfrageteilnehmern, gefolgt von Ethereum. 

Kryptowährung mit Zukunft - die beliebtesten Kryptowährungen in Deutschland

2. Die Mehrheit kauft Kryptowährungen auf Tauschplattformen 

Die beliebteste Option für den Kauf und Verkauf von Kryptowährungen sind Kryptotauschplattformen wie Binance oder Crypto.com. Sie werden von 76 % der Käufer bevorzugt und bieten den Käufern mehrere Vorteile. Dazu gehören der Umtausch von Fiat-Währungen (wie Euro oder Dollar) in Kryptowährungen, der Handel und die Beratung zu Steuern und Vorschriften. 

 

Kryptowährungen Plattformen

36 % tendieren zu Handelsplattformen. Der Handel mit Kryptowährungen bedeutet, auf die Kursbewegungen einer ihrer Währungen zu setzen. Dazu erhalten die Nutzer einen “Contract For Difference” (CFD), mit dem sie auf den Anstieg oder den Rückgang der Vermögenswerte wetten können, ohne diese tatsächlich zu besitzen. Am Ende der Wette kann der Nutzer die Wertdifferenz, die zum Zeitpunkt der Eröffnung und Schließung des CFD-Kontrakts festgestellt wurde, über seine Plattform handeln.

3. 66 % nutzen Hot Wallets 

Um mit Kryptowährungen handeln zu können, benötigen die Nutzer eine Geldbörse. Eine Krypto-Wallet funktioniert wie eine herkömmliche Brieftasche, aber statt Papiergeld enthält sie einen Nachweis der digitalen Währung. Sie speichert nicht physisch digitales Geld, sondern wird von einem Händler verwendet, um seine Vermögenswerte zu prüfen, zu kaufen oder zu verkaufen. Die Brieftasche speichert sowohl den öffentlichen als auch den privaten Schlüssel, welcher die Sicherheit der Vermögenswerte des Besitzers gewährleistet. Sie ermöglicht auch die digitalen Signaturen, die zur Autorisierung jeder Transaktion erforderlich sind.

Die beliebtesten Krypto-Wallets sind die sogenannten Hot und Cold Wallets. Daneben gibt es auch noch Hardware und Paper Wallets, die jedoch weniger genutzt werden. Was ist genau der Unterschied und wie oft werden die Wallets genutzt? 

Hot Wallet (66 %): Die Hot Wallet ist mit dem Internet verbunden, d. h. ein Anleger kann bequem von jedem Ort mit einer WIFI-Verbindung darauf zugreifen. Transaktionen können sofort durchgeführt werden, aber die Abhängigkeit vom Internet kann den Besitzer anfällig für Hacker machen. Da Kryptowährungen dezentralisiert sind, bedeutet der Diebstahl der privaten Schlüssel des Nutzers, dass er sein Vermögen vollständig verliert, ohne dass er Unterstützung erhält, um es wiederzuerlangen. 

Cold Wallet (35 %): Die Cold Wallet ist offline. Der größte Vorteil ist, dass Hacker keinen Zugriff auf das Vermögen des Besitzers haben. Die einzige Möglichkeit des Diebstahls besteht in einem physischen Raubüberfall. Es gibt Unternehmen, die sich auf die Lagerung von Kryptowährungen spezialisiert haben und hochsichere Tresore verwenden. Cold Wallets werden in der Regel auf tragbaren Geräten wie einem USB-Stick gespeichert. Wenn ein Anleger jedoch mit Coins handeln möchte, kann dies nicht über eine Cold Wallet erfolgen, da Blockchains online sind und einen Internetzugang erfordern. 

Hardware Wallet (22 %): Hierbei handelt es sich um elektronische Geräte, die mithilfe von Zufallszahlengeneratoren (RNG) öffentliche und private Schlüssel erstellen. Die Schlüssel werden dann auf dem Gerät selbst gespeichert, das nicht mit dem Internet verbunden ist.

Paper Wallet (13 %): ist ein Stück Papier, auf dem eine öffentliche Adresse und ihr privater Schlüssel in Form von QR-Codes physisch aufgedruckt sind. Durch das Scannen dieser Codes können Transaktionen mit Kryptowährungen durchgeführt werden.

4. Krypto-Nutzer sind mit ihrer Investition zufrieden

Es ist spannend zu sehen, dass drei Viertel der Krypto-Nutzer mit ihrer Investition zufrieden sind. Die Mehrheit der Anleger (71 %) geben an, dass weniger als ein Fünftel ihres Anlageportfolios dem Kauf/Handel von Kryptowährungen dient. Lediglich 5 % investieren ausschließlich in Krypto. 

Wie zufrieden Deutsche mit ihrer Investition in Kryptowährungen sind

Im Europavergleich liegt Deutschland in der Mitte. In Spanien und Italien sind Krypto-Nutzer im Durchschnitt etwas unzufriedener mit ihrer Investition, in Frankreich sind 70 % zufrieden bzw. sehr zufrieden. 

5. Gewinne zu erzielen, ist nicht die einzige Motivation 

Als Hauptgründe für die Investition nennen die Nutzer:

  • Ich kann Profit machen, auch wenn es riskant ist 57 %
  • Ich kann Teil von etwas Innovativen und Alternativen sein 48 %
  • Dezentralisierte Philosophie des Systems (keine Behörde oder Institution, die über den Wert der Währung entscheidet) 45 %
  • Ich kann mich vom regulären Banksystem lösen 38 %

Treuhandwährungen wie der Euro oder der Dollar, bekannt als FIAT, werden von den Zentralbanken reguliert. Kryptowährungen hingegen unterliegen nicht der Validierung durch eine einzelne Institution, sondern durch die Mitglieder des Netzwerks, d. h. der Peer-to-Peer-Validierung.

Wenn eine Transaktion durchgeführt wird, sind es die Nutzer, die “Miner” genannt werden, die sie validieren. Als Gegenleistung für ihre Teilnahme an diesem Prozess erhalten sie eine Belohnung in Form von Token, die in Kryptowährungen umgetauscht werden können. Es ist dieser Aspekt der alternativen Finanzvalidierung, der das Engagement der Deutschen, die sich für Investitionen in Kryptowährungen entschieden haben, besonders begünstigt hat.

Neben ihren Aussichten auf Gewinne und dem Interesse an einer innovativen Lösung erwähnen viele, dass sie sich von der Philosophie der Kryptowährungen und der Alternative, die sie zum traditionellen Bankensystem bieten, angezogen fühlen. 

Doppelt so viele sind an Krypto interessiert 

Auch wenn die Nutzungszahlen noch gering sind, gibt es jedoch großes Interesse an der digitalen Währung. 33 % geben an noch kein Krypto zu besitzen, es jedoch in Zukunft vorhaben zu kaufen. Die Hälfte (52 %) der Interessenten plant Kryptowährungen im nächsten Jahr zu kaufen. 

Diese drei Hauptgründe halten die Interessenten im Moment noch davon ab, in Kryptowährungen zu investieren: 

  • Mangelndes Wissen über Kryptowährungen 54 %
  • Das Risiko von Wertschwankungen 48 %
  • Sorge, dass Kryptowährungen verschwinden könnten (Regierungen lassen sie verbieten, Menschen verlieren das Interesse daran usw.) 38 %

Kryptowährungen sind ein kompliziertes Thema, das viel Investigation benötigt und kaum ein Markt ist so schwankungsanfällig wie der Krypto-Markt. Stark schwankende und damit auch unsichere Anlageformen bieten eine große Chance auf hohe Gewinne, jedoch müssen Anleger auch immer mit Rückschlägen rechnen. So ist zwischen April und Juli diesen Jahres der Bitcoin-Wert um fast 50 % gefallen. Immer mehr Regierungen wollen Kryptowährungen regulieren. Die Liste an Ländern (u.a. Vietnam, Bolivien, Pakistan), in denen die digitale Währung verboten ist, wird länger. Auch China verbietet im September die Kryptobörse. In 111 Staaten sind Kryptowährungen jedoch gesetzlich anerkannt und legal, wozu auch Deutschland gehört.

Krypto-Nutzer und Interessierte wollen Gewinne erzielen 

Der angegebene Hauptgrund für die Investition in Kryptowährungen ist, versuchen Gewinn zu erzielen, auch wenn dieser unvorhersehbar ist. 35 % wollen mit der Währung Waren kaufen. Mehr und mehr Unternehmen akzeptieren mittlerweile die digitale Währung zur Bezahlung. Dazu zählen unter anderem Microsoft, Mozilla, Dell, Expedia, Lieferando, WordPress und zahlreiche Fluggesellschaften. 

Aber auch offline in Restaurants und Geschäften kann mit Bitcoins bezahlt werden. Dafür wird ein QR-Code mit der Rechnung erzeugt, der mit der Handykamera eingescannt werden kann. Anschließend wird die entsprechende Summe an die Bitcoin-Adresse des Empfängers gesendet. Auf der Internetseite Bitcoinkiez sind Läden in Berlin markiert, in denen Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiert werden.

Die Einführung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel könnte in deinem Unternehmen dazu beitragen, das Kundenerlebnis zu verbessern und deinen Kundenstamm zu erweitern. Jedoch ist die Einführung mit einigen Hürden verbunden. Um die Auswirkungen der Einführung von Kryptowährungen auf Ihre Zahlungsmöglichkeiten zu analysieren, ist es wichtig, die Verwendung dieser Methode mit den traditionellen Methoden erst einmal zu vergleichen. Viele Softwarepakete für die Zahlungsabwicklung ermöglichen es, Berichte und Analysen über das Verhalten deiner Kunden hinsichtlich der bevorzugten Zahlungsoptionen zu erstellen.

Diese Waren und Dienstleistungen wollen Nutzer und Interessenten mit Krypto bezahlen: 

  • Zahlungsdienste 35 %
  • Handelsplattformen 26 %
  • Finanzdienstleistungen und De-Fi (dezentralisierte Finanzdienstleistungen) 20 %
  • Software und Hardware 19 %
  • Kleidung 17 %
  • Flüge und Hotels 16 %

Es bleibt gespannt abzuwarten

Die Studie deutet darauf hin, dass die Deutschen, obwohl sie Kryptowährungen langsamer einführen als andere europäische Länder, Interesse an Investitionen zeigen. Dies könnte einen signifikanten Einfluss darauf haben, wie Verbraucher in Zukunft für Produkte und Dienstleistungen bezahlen. KMU müssen die Entwicklungen und die Bedürfnisse ihrer Kunden im Auge behalten und bereit sein, ihr Geschäft entsprechend anzupassen. Aber ist Risiko eine potenzielle Barriere? Damit beschäftigt sich der nächste Teil unserer Reihe. Wie viel Vertrauen haben die Deutschen in Krypto im Vergleich zu herkömmlichen Bankmethoden und was ist die Zukunft des Geldes?

Wie geht es weiter? Wirf einen Blick auf unser Krypto-Wallet Software Verzeichnis, um das passende Tool zu finden.

Methodik der Studie

Um Daten für diese Studie zu sammeln, hat Capterra im September 2021 eine Online-Umfrage mit 7890 Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, UK, Brasilien, Kanada und Australien durchgeführt. Davon konnten wir 1644 Teilnehmer identifizieren, die momentan Kryptowährungen nutzen bzw. Kryptowährungen bereits genutzt haben.

Aus Deutschland wurden 164 Krypto-Nutzer befragt. Die Stichprobe der Teilnehmer ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. 

HINWEIS: Dieser Artikel soll unsere Leser über geschäftsbezogene Belange in Deutschland informieren. Er ist in keiner Weise dazu gedacht, finanzielle Beratung zu leisten oder eine bestimmte Vorgehensweise zu befürworten. Ziehe für eine Beratung deiner individuellen Situation einen Buchhalter oder Finanzberater hinzu.

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Über den Autor oder die Autorin

Senior Content Analyst für Capterra und GetApp. Spezialisiert auf Studien und Digitalisierungs-Tipps für KMU. Masterstudium in Medien und Kommunikation, lebt im sonnigen Barcelona.

Senior Content Analyst für Capterra und GetApp. Spezialisiert auf Studien und Digitalisierungs-Tipps für KMU. Masterstudium in Medien und Kommunikation, lebt im sonnigen Barcelona.