Mitarbeiter werben Mitarbeiter: Werden Mitarbeiterempfehlungsprogramme die besten Recruitingkanäle?

Veröffentlicht am 28.2.2019 von Tim Verhoeven und Ines Bahr

Mitarbeiter werben Mitarbeiter

Der Fachkräftemangel wird von Jahr zu Jahr größer und Arbeitgeber müssen sich im Kampf um die besten Talente neue Maßnahmen überlegen, um nicht nur gute, sondern auch passende Bewerber zu bekommen. Eine Maßnahme erlebt in den letzten Jahren einen Aufschwung, welcher auch in den nächsten Jahren weitergehen wird: Mitarbeiterempfehlungsprogramme.

Was sind Mitarbeiterempfehlungsprogramme?

Mitarbeiterempfehlungsprogramm nennt sich jede systematische Bonifizierung, die das Ziel hat, die Anzahl an Bewerbungen sowie Einstellungen von Bewerbern, die über Mitarbeiter geworben wurden, zu erhöhen. Dabei gibt es sowohl Ansätze der monetären Bonifizierung – in der Regel durch Werbeprämien an den werbenden Mitarbeiter und hin und wieder an den geworbenen Bewerber – als auch die nicht-monetäre Bonifizierung durch Sachleistungen oder nicht-materielle Güter.

Heutzutage werden Mitarbeiterempfehlungsprogramme auch mit entsprechenden Softwarelösungen unterstützt, die die Usability für Bewerber, Recruiter und für Werbende verbessern. Gleichzeitig ermöglichen diese Softwarelösungen ein höheres Maß an Transparenz sowie Reportingmöglichkeiten, um den Erfolg eines solchen Programms sichtbar machen zu können.

Mitarbeiter werben Mitarbeiter: Was ist der Vorteil?

Die Vorteile des Prinzips „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ liegen auf der Hand und sind in der Regel leicht mit eigenen Zahlen zu untermauern. Wer kennt das Unternehmen, die eigene Kultur, die Stärken und Schwächen am besten? Wer kann ein möglichst realistisches Bild vom potenziellen Arbeitgeber geben? Wer kann zumeist am besten abschätzen, wer kulturell und sozial in ein Team passt? Natürlich: Die eigenen Mitarbeiter. Und diese Vorteile lassen sich sehr gut mit Zahlen belegen. In der Regel zeigt sich in jedem Unternehmen, dass Bewerber, die über Mitarbeiter kommen, signifikant erfolgreicher im Bewerbungsprozess sind. Man benötigt durchschnittlich also deutlich weniger Bewerber als bei der typischen Besetzung einer Stelle.

Gleichzeitig haben Bewerber, die über eine Mitarbeiterempfehlung kommen, in der Regel auch eine realistische Einschätzung vom Unternehmen und vom Arbeitsplatz. Dies zeigt sich auch dadurch, dass das Onboarding dieser Zielgruppe meist sehr schnell klappt und diese neuen Mitarbeiter schnell in die Produktivphase übergehen. Gleichzeitig zeigen alle mir bekannten Studien sowie auch Zahlen aus der Praxis, dass diese neuen Mitarbeiter in den ersten Jahren deutlich loyaler sind und es signifikant weniger Probezeitkündigungen gibt.

Zu guter Letzt hat ein Mitarbeiterempfehlungsprogramm einen Reichweitenvorteil, weil man dadurch auch Kandidaten erreicht, die gar nicht aktiv auf der Suche und somit ansonsten schwer erreichbar sind. Wenn Ihre Mitarbeiter zufrieden sind, dann werden sie gerne einen Beitrag dazu leisten, dass das Unternehmen wächst.

Welche Risiken haben Mitarbeiterempfehlungsprogramme?

Auf den ersten Blick wirkt es so, als gäbe es ausschließlich Vorteile bei einem Mitarbeiterempfehlungsprogramm. Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Ich möchte die Risiken in zwei inhaltliche Dimensionen unterteilen, damit es einfacher zu verstehen ist. Es gibt Risiken, die primär entstehen, wenn das Programm nicht optimal läuft – was leider in der Realität nicht komplett vermeidbar ist. Außerdem gibt es Risiken, die entstehen, auch wenn das Programm optimal laufen würde.

Wenn es nicht optimal läuft, dann ist die Gefahr groß, dass nicht nur Bewerber frustriert werden, sondern in hohem Maß auch die werbenden Mitarbeiter. Da wirkt eine schlechte Candidate Experience also mindestens doppelt so schlimm – und sie wird immer ans Licht kommen. Daneben sollte man sich bewusst werden, dass es eine Interdependenz zwischen der Mitarbeiterzufriedenheit und der Bereitschaft zur Empfehlung gibt. Ein zufriedener Mitarbeiter empfiehlt gerne – ein unzufriedener Mitarbeiter natürlich eher nicht. Empfiehlt ein Mitarbeiter jedoch ein paar Kandidaten und der Prozess läuft aus seiner Sicht nicht gut, wird er unzufrieden und wird sich sehr wahrscheinlich genau überlegen, ob er noch einmal jemanden empfiehlt.

Selbst wenn es optimal läuft, hat man das Problem, dass man eventuell eine zu geringe Diversität bei den Bewerbern beobachten wird. Hier spreche ich nicht von Geschlecht oder Ethnie, sondern vor allem von kultureller Diversität. Durch ein Mitarbeiterempfehlungsprogramm bekommt man übertrieben ausgedrückt mehr vom selben. Das ist in einem gewissen Ausmaß richtig und wichtig – sollte jedoch genau beobachtet werden.

5 Tipps für den Erfolg eines Mitarbeiterempfehlungsprogramms

1. Ändern Sie den Auszahlungszeitpunkt für Ihre Prämien

Die Prämie hat das Ziel der Honorierung für die gute Tat. Sämtliche psychologische Theorie und Forschung zeigt auf, dass Feedback wie eine Honorierung zeitnah zu der honorierten Tat stattfinden muss, um eine möglichst hohe Wirkung zu erzielen. Viele Unternehmen zahlen die Werbeprämie erst nach Bestehen der Probezeit des Geworbenen aus. Damit verliert die Prämie extrem an Wirkung. Koppeln Sie die Prämie an den Startzeitpunkt des Mitarbeiters. Denn: Sollte es bei Mitarbeiterempfehlungen tatsächlich noch zu vielen Probezeitkündigungen kommen, dann stehen Sie vor ganz anderen Herausforderungen.

2. Seien Sie kreativ bei den Prämien

Geld als Prämie ist gut und leicht zu erklären und meiner Erfahrung nach wichtig – aber Geld sollte nicht der einzige Bestandteil sein. Es geht um Honorierung, also Wertschätzung. Zeichnen Sie die Mitarbeiter intern im Intranet oder der Mitarbeiterzeitung aus. Schreiben Sie Dankesschreiben von der Geschäftsführung. Zeigen Sie, dass Sie dankbar sind. Schenken Sie allen erfolgreichen Werbern eine Flasche Wein oder irgendetwas anderes, womit sie nicht rechnen und was sie nicht erwarten.

3. Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter

Wenn Sie Ihre Mitarbeiter befragen, was die Gründe dafür sind, warum sie keine neuen Mitarbeiter werben, ist einer der häufigsten Gründe immer Unsicherheit. Unsicherheit, weil man die Prozesse nicht kennt oder beispielsweise, weil man nicht negativ betrachtet werden möchte, falls die vorgeschlagene Person nicht gut abschneidet im Bewerbungsprozess.

4. Nutzen Sie eine entsprechende Software

Es gibt gute Software, die Ihnen helfen kann, den Überblick über diesen Kanal zu behalten und gleichzeitig einen vereinfachten Bewerbungsprozess für geworbene Kandidaten ermöglicht. Ab einer gewissen Größe und einem Ziel von mindestens einer zweistelligen Anzahl von Einstellungen über das Mitarbeiterempfehlungsprogramm lohnt sich ein solches Tool erfahrungsgemäß.

5. Nutzen Sie Gamification

Es gibt eine Vielzahl von spielerischen Elementen, genannt Gamification, die zu einer zusätzlichen Motivation führen können. Lassen Sie beispielsweise zwei Bereiche oder Niederlassungen in einem Quartal gegeneinander antreten und sich darin messen, wer die meisten Empfehlungen bekommt. Sie werden sich die Augen reiben, wie sehr dies der Empfehlungsbereitschaft guttut.

Mitarbeiter werben Mitarbeiter: Fazit

Mitarbeiterempfehlungsprogramme werden immer mehr an Bedeutung gewinnen. Vernachlässigen Sie diesen Kanal keineswegs, denn er ist sehr erfolgreich sowie nachhaltig. Wenn Sie die oben genannten Tipps zum Prinzip „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ umsetzen, steht einem weiteren erfolgreichen Recruitingkanal nichts mehr im Weg.

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Über den Autor oder die Autorin

Senior Content Analyst für Capterra und GetApp. Spezialisiert auf Studien und Digitalisierungs-Tipps für KMU. Masterstudium in Medien und Kommunikation, lebt im sonnigen Barcelona.

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