
In den letzten Jahren hat sich das Phänomen der Online-Reputation stärker in den Vordergrund gespielt für Privatpersonen, Online-Händler und zu guter Letzt auch für Unternehmen als Arbeitgeber. Bei Online-Händlern wissen wir, dass die Online-Reputation einen großen Einfluss auf den kommerziellen Erfolg des Händlers beziehungsweise seiner Produkte hat. Also stellt sich die Frage, wie groß der Einfluss auf Arbeitgeber ist.
Was ist genau die Online-Reputation?
Unter dem Begriff der Online-Reputation im professionellen Umfeld fasst man die vorherrschende Meinung zu einem Produkt oder einer Firma in Online-Medien, wie Foren, Sozialen Medien, Test-Seiten oder Vergleichsportalen zusammen. Wenn ein Produkt also in Test-Berichten gut abschneidet, vielleicht noch auf einem Vergleichsportal einen positiven Wert hat und auf Kundenbewertungsseiten positive Ergebnisse hat, dann kann man von einer positiven Online-Reputation sprechen. Dazu kommen auch noch Quellen, wie journalistische Beiträge, Wikipedia-Einträge etc.
Was kennzeichnet die Online-Reputation als Arbeitgeber?
Erst einmal grundsätzlich: Man kann hier nicht trennscharf unterteilen in Produkt-Wahrnehmung, Arbeitgeber-Wahrnehmung sowie allgemeiner Unternehmens-Wahrnehmung, da alle Bereiche einander stark beeinflussen und bewusst oder unbewusst ein gemeinsames Bild prägen.
Jedoch gibt es spezielle Medien, die insbesondere bei der Wahrnehmung als Arbeitgeber einen besonderen Einfluss haben. Hierbei handelt es sich um sogenannte Arbeitgeberbewertungsportale oder Portale mit Arbeitgeberbewertungsfunktion. Allen gemein ist es, dass man anonym als Arbeitnehmer (und zum Teil als Bewerber) eine strukturierte Bewertung abgegeben kann nach vorgegebenen Standards. Häufig gibt es eine Hand voll Kriterien, die einzeln bewertet werden und dann einen Gesamt-Score ergeben.
Arbeitgeberbewertungsportale:
- Kununu: Die deutschsprachige Arbeitgeberbewertungsplattform ist insbesondere in der DACH-Region besonders stark vertreten und bietet neben der Kernfunktion auch einen Frage-Antwort-Bereich und eine Funktion zur Bewertung von Bewerbungsprozessen.
- Glassdoor: Das us-amerikanische Unternehmen Glassdoor ist die zweitgrößte Plattform in Deutschland – jedoch noch mit geringerem Marktanteil als Kununu. International ist Glassdoor jedoch die deutlich größere Plattform.
Portale mit Arbeitgeberbewertungsfunktion:
- Indeed: Die selbsternannte „#1 job site in the world“ hat neben Gehaltsdaten und dem Kerngeschäft, der Jobsuche auch mehr als 100 Mio. Arbeitgeberbewertungen, die dort abgegeben wurden.
- Stepstone: Auch die im deutschen Markt sehr prominente Jobbörse Stepstone bietet neben dem Kerngeschäft Jobsuche auch die Möglichkeit der Arbeitgeberbewertung für seine Nutzer an.
Foren & Soziale Netzwerke: Es gibt auch noch eine Vielzahl von Foren (wie beispielsweise wiwi-online.de), in denen über Arbeitgeber diskutiert wird und in denen Arbeitgeber meist eher unstrukturiert bewertet werden. Gleiches gilt für soziale Netzwerke. Auch dort wird diskutiert und sich über Arbeitgeber geäußert. Wer hier einen Überblick bekommen möchte, dem empfehle ich sogenannte Social Listening Tools, wie beispielsweise Echobot.
Was kann man als Arbeitgeber machen, um die Online-Reputation zu verbessern?
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Online-Reputation zu verbessern. Ein paar Möglichkeiten werde ich hier vorstellen.
1. Intern Trigger setzen:
Die einfachste Möglichkeit, um die eigene Online-Reputation zu verbessern liegt darin, Mitarbeiter dazu zu motivieren, das eigene Unternehmen online zu bewerten. Drei Punkte sind hier jedoch zu beachten, um eine möglichst hohe Erfolgswahrscheinlichkeit zu erzielen:
a) Nutzen Sie bestehende Kommunikation, wie beispielsweise Jahresgespräche, Probezeitgespräche etc.
b) Forcieren Sie es nicht. Sobald der Mitarbeiter das Gefühl hat, dass es nicht in seiner Hoheit liegt, wird sich das später rächen und es werden irgendwann einmal negative Bewertungen folgen. Auch arbeitsrechtlich wäre es nicht unproblematisch.
c) Sprechen Sie primär diejenigen aktiv an, die wirklich zufrieden sind. Ansonsten wird das Ergebnis sehr wahrscheinlich entgegengesetzt zu dem sein, was Sie wollen.
2. Interagieren
Es gibt häufig die Möglichkeit, als Arbeitgeber auf Bewertungen oder Kommentare zu reagieren. Dies sollte man immer tun, denn wenn man auf ein paar Dinge achtet, kann man nur gewinnen.
a) Seien Sie wertschätzend. Egal, wie frech eine Bewertung ist – gehen Sie professionell mit der Bewertung um. Jede schlechte Bewertung – sofern sie keine Lügen enthält – bietet die Möglichkeit, Stellung zu nehmen und die Kommunikation in eine positive Richtung zu lenken.
b) Rechtfertigen Sie sich nicht. Wie bei jedem Feedback: Nehmen Sie das Feedback auf, stellen Sie eventuell ein paar Dinge klar, aber starten Sie keine Diskussion.
c) Geben Sie immer die Möglichkeit, dass Kontakt aufgenommen werden kann, um weitere Details zu besprechen. Es wird zwar nur selten genutzt, aber wenn es genutzt wird, kommen sehr interessante Einblicke dabei heraus.
3. Lernen, Fake von echten Bewertungen zu unterscheiden
Wir wissen im E-Commerce, dass überall dort wo es Bewertungen gibt, diese auch einen starken Einfluss auf das Kaufverhalten und die Vertrauensbildung in Unternehmen oder Produkte haben. Da ist es nur naheliegend, dass es nicht nur aufrichtige, echte Bewertungen gibt, sondern auch Fake-Bewertungen, die nur das Ziel haben, das Ergebnis der Bewertung zu beeinflussen. Sowohl im Positiven als auch im Negativen. Was im E-Commerce Realität ist, ist häufig auch im Recruiting nicht so weit entfernt von der Realität.
Nicht jede Bewertung, nicht jeder Foren-Eintrag, nicht jede Meinungsäußerung über einen Arbeitgeber ist tatsächlich von einem ehemaligen oder aktuellen Arbeitnehmer. Ein paar Tipps können dabei helfen, potenzielle Fakes zu erkennen – auch, wenn es nie eine hundertprozentige Gewissheit gibt, sondern nur eine Wahrscheinlichkeit.
- Übermäßig gute oder schlechte Bewertungen: Realistische Bewertungen sind immer differenzierend. Wer überall nur die Minimal- oder nur Maximal-Wertung abgibt, ist schon auffällig und ungewöhnlich. Wahrscheinlich ein Fake.
- Auffällig unspezifisch: Manche Bewertungen sind so unspezifisch geschrieben, dass man sie auch bei ganz vielen anderen Unternehmen reinschreiben könnte, ohne dass es inhaltlich mehr oder weniger gut passen würde. Das hat einen Grund: wahrscheinlich ein Fake.
- Falsche Begriffe: Jedes Unternehmen hat eine Vielzahl an unternehmensspezifischen Begriffen und Bezeichnungen. Diese sind zwar nicht immer für externe Personen verständlich, aber jeder Mitarbeiter kennt sie. Wenn komplett andere Begriffe genutzt werden, als man normalerweise von einem Mitarbeiter zu erwarten wäre, dann sollte man skeptisch sein. Wahrscheinlich ein Fake.
- Sonstige Auffälligkeiten: Ansonsten kommt es immer mal wieder vor, dass es bei der Betrachtung mehrerer Bewertungen Ungewöhnlichkeiten auffallen. Ähnlicher Schreibstil, gleiche Rechtschreibefehler, auffällig viele Bewertungen hintereinander: All das sind auch Indizien für Fake-Bewertungen.
Wenn Sie diese drei Hinweise umsetzen, werden Sie Ihre Online Reputation verbessern und auch besser einordnen können. Gleichzeitig werden Sie nach und nach ein besseres Bewusstsein dafür bekommen, welche Inhalte relevant sind und welche nicht.