Bürosoftware für Architekten – Der Stand heute und Potenziale für Morgen

Veröffentlicht am 22.7.2019 von Ines Bahr

Bürosoftware für Architekten – Der Stand heute und Potenziale für Morgen

Der gesamte Bereich Architektur und Bau gehört zu den Sektoren, die sich durch die Digitalisierung nicht nur grundlegend gewandelt haben, sondern in denen darüber hinaus sehr bald weitere grundlegende Veränderungen anstehen. Künstliche Intelligenz, Virtual Reality und Augmented Reality sind hier wichtige Technologien, die schon heute spürbare Veränderungen nach sich ziehen – und schon bald zu einer kleinen Revolution führen werden. Aber: Die Digitalisierung verändert die Branche nicht nur durch spektakuläre neue Anwendungsmöglichkeiten von KI, AR oder VR – auch weniger spektakuläre Anwendungsfälle, beispielsweise Rechnungswesen und Buchhaltung, haben sich grundlegend geändert.

Über diesen Bereich wollten wir mehr wissen. Welche Geschäftsprozesse haben sich geändert? Welche Art von Software hat sich für welche Aufgaben durchgesetzt? Wie stehen Architekturbüros zu Themen wie Cloud Computing? Mit welchen Entwicklungen wird aktuell gerechnet? Was könnte der nächste Trend sein?

Um diese zu beantworten, haben wir über 200 Architekten dazu befragt, welche Bürosoftware sie für die Planung und Steuerung ihres Architekturbüros einsetzen. Einige der Ergebnisse entsprachen unseren Erwartungen, andere waren eher eine Überraschung, die auf ein Potenzial hindeuten, das sich die ein oder andere Softwareschmiede vielleicht bald genauer ansehen wird.

Highlights der Studie:

  • Architekturbüros setzen vermehrt allgemeine statt für ihre Branche spezialisierte Software ein.
  • Software wird in Architekturbüros am häufigsten für Projektmanagement und die Verwaltung von Angeboten und Rechnungen genutzt.
  • 50 % der befragten Büros können sich vorstellen, in Zukunft vermehrt auf Cloud-Lösungen zu setzen.

Welche Bürosoftware kommt zum Einsatz

Zunächst hat uns interessiert, in welchen Bereichen überhaupt Software eingesetzt wird.

Verteilung der Bürosoftware für Architekten

Ganz vorne liegen hier Projektmanagement und die Verwaltung von Angeboten und Rechnungen. Gefolgt werden diese beiden Kategorien von Software aus dem HR Bereich, beispielsweise für die Urlaubsplanung.

Dieser Teil der Umfrage hat uns nicht weiter überrascht. Projektmanagement, Rechnungswesen und HR sind so etwas wie die heilige Dreifaltigkeit der Softwareverwendung in vielen Branchen.

Überraschender fanden wir die Antwort auf die nächsten Fragen.

Wenig spezialisierte Softwarelösungen

Spezielle Architektur Software gegenüber normaler Bürosoftware für ArchitektenUnsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass Architekturbüros mehrheitlich dazu neigen, allgemeine statt für ihre Branche spezialisierte Lösungen einzusetzen. Wir hätten hier mit dem umgekehrten Ergebnis gerechnet, da die Branche viele spezielle Abläufe und Anforderungen hat, die mit spezialisierten Lösungen ggf. einfacher abzubilden wären – beispielsweise wenn es gilt mehrere Dutzend (oder gar Hunderte) Baustellen gleichzeitig zu mangen, Bautagebücher und Mängelberichte zu erstellen etc.

Wenig integrierte Lösungen

Grafik integrierte Bürosoftware für Architekten

Es ist auch nicht so, dass Architekturbüros Software einsetzen, die speziell für sie entwickelt wurde und gleichzeitig andere Aufgaben übernimmt (z. B. aus dem Projektmanagement). Solche integrierten Lösungen werden ebenfalls von einer Minderheit der Büros eingesetzt.

Cloud am Tipping Point

Auch die Verwendung von Cloud-Lösungen ergibt ein interessantes Bild. Der Einsatz von Cloud-Lösungen scheint gegenwärtig an einer Art Tipping Point angekommen zu sein.

Zum einen ist die hervorstechendste Antwort, dass lokale Installationen und Cloud-Lösungen ausgewogen eingesetzt werden. Ansonsten scheinen die befragten Büros noch eine leichte Präferenz für lokale Installationen zu haben, aber der Vorsprung ist gering.

Vergleich Bürosoftware für Architekten, lokal vs. Cloud

Zum anderen geben über 50 % der befragten Büros an, sich vorstellen zu können, in Zukunft vermehrt auf Cloud-Lösungen zu setzen.

Grafik über Cloud-Lösungen bei Bürosoftware für Architekten

Nur 3 % verneinen die Möglichkeit entschieden.

Dies ist wiederum ein Ergebnis, das wenig überrascht. Nicht nur liegen Cloud-Lösungen allgemein und branchenübergreifend im Trend – in der Architektenbranche spielen Mobilität und Verfügbarkeit von Daten vor Ort eine besondere Rolle. Cloud-Lösungen bieten hier klare Vorteile.

Potenziale für die Zukunft

Architekturbüros haben einige Workflows, die sehr spezifisch für ihre Branche sind – und das von der Entwurfs- und Konzeptionsphase über die Umsetzung der Projekte bis hin zu deren Abnahme. Viele dieser Besonderheiten wirken sich auch auf die „Standardworkflows“ aus, also die Bereiche Projektmanagement, HR und Rechnungswesen. Dennoch werden hier von Architekturbüros gegenwärtig mehrheitlich allgemeine Lösungen eingesetzt, die nicht für eine spezielle Branche entwickelt wurden. Wir sehen hier das Potenzial für speziell auf Architekturbüros zugeschnittene Lösungen. Sei es, dass für Architekten angepasste Lösungen in den Bereichen Projektmanagement, HR und Rechnungswesen entwickelt werden, sei es, dass andere Softwarelösungen, die sich speziell an Architekten richten, beginnen diese Funktionen zu integrieren.

Auch kann davon ausgegangen werden, dass sich die Cloud in der Branche weiter durchsetzen wird. Diese neue Klasse an Lösungen für Architekten sollte also die Möglichkeit bieten, über die Cloud genutzt zu werden. Zusammenfassend glauben wir, dass Lösungen, die die folgenden Merkmale aufweisen, großes Potenzial in der Branche haben:

Merkmale von zukunftsorientierter Software im Architekturbereich

Außerdem könnten wir uns vorstellen, dass Entwickler, denen es gelingt anstehende große Veränderungen in der Branche (KI, VR, AR) vorauszusehen und mitzudenken, weitere Vorteile für sich erschließen können. Sprich: Wir rechnen mit der Entwicklung von Lösungspaketen, beispielsweise in Form einer modularen und über die Cloud bereitgestellten Suite, die sowohl für die Branche spezifische Aufgaben abbildet als auch besondere Anforderungen der Branche in Bezug auf Standardprozesse wie HR, Projektmanagement und Rechnungswesen integriert. Und wir rechnen damit, dass sich die Lösungspakete durchsetzen, die die anstehenden weitereichenden Veränderungen voraussehen und abbilden, die die fortschreitende Digitalisierung mit sich bringen wird.

Für uns wird es spannend zu sehen, ob sich unsere Prognose im Verlauf der nächsten zwei bis drei Jahre bestätigt.

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