Diese HR-Startups könnten den Recruiting Markt verändern

Veröffentlicht am 30.4.2019 von Ines Bahr und Tim Verhoeven

Recruiter steht mit Lupe vor Lebensläufen

Der Recruitingmarkt verändert sich momentan schnell und stetig. Dinge, die vor einigen Jahren noch erfolgversprechend galten, sind heutzutage schon längst überholt. Oder wer versucht heute noch bei Googe+ aktiv zu sein? Zu erkennen, wenn ein Trend nicht mehr aktuell oder erfolgsversprechend ist, ist schon schwierig genug. Dann aber auch noch zu antizipieren, welcher Trend als nächstes erfolgreich sein könnte, ist eine echte Herausforderung. Eine bewährte Methode dazu werde ich im Folgenden genauer beleuchten.

Viele Veränderungen, die heute den Recruiting Markt prägen, haben ihren Ursprung in Startups oder vergleichbaren Organisationsformen, wie internen Inkubatoren von größeren Unternehmen. Da es jedoch in den letzten Jahren eine wahre Gründungswelle an Recruitment Startups gab, ist es schwieriger denn je, einen halbwegs verlässlichen Überblick zu bekommen. Im Folgenden werde ich ein paar dieser deutschen Startups hervorheben, die in den letzten Monaten Aufmerksamkeit erzielt haben und sich interessanten Themen beschäftigen, die Einfluss auf Recruiting haben können. Unterteilt habe ich die Liste der Startups nach Themen, damit es übersichtlicher ist.

Recruiting Analytics

Der Bereich Recruiting Analytics beschäftigt sich in erster Linie damit, Recruiting messbar zu machen und mit den dadurch gewonnen Zahlen das eigene Recruiting zu optimieren. Dabei gibt es zwei verschiedene Ausrichtungen.

  1. Zusätzliche Daten erfassen: Es gibt erfahrungsgemäß viele Prozessschritte im Recruiting, wo wir überhaupt keine Daten erheben aus verschiedensten Gründen. Entweder, weil das interne Know-How fehlt oder weil wir nicht wissen, dass es dort einen Mehrwert bringen könnte oder schlichtweg, weil gewisse Prozesse noch analog sind und dort eine Erfassung häufig zu komplex ist. Insbesondere im Bereich der Recruiting-Kanäle hat in den letzten 1-2 Jahren die Firma HRI Solutions aus Hamburg von sich reden gemacht. Sie bieten einen Komplettservice an, in dem sie individuell Recruitingkanäle auswerten und mit den Daten aus dem jeweiligen Bewerbermanagementsystem verknüpfen. Dadurch bekommt man dann Auswertungen darüber, wie viele Bewerbungen über welchen Kanal in welcher Zeit zu welchen Kosten eingegangen sind und wie erfolgreich diese waren. Dieser Ansatz sorgt dafür, dass man einen großen Wettbewerbsvorteil bekommt durch genauere Steuerungsmöglichkeiten. Außerdem wird man mit seinen Jobbörsen in eine komplett andere Verhandlungssituation gebracht. Hierfür hat die HRI Solutions mit einer ihrer Lösungen auch den HR Excellence Award 2018 in der Kategorie Data & Tech gewonnen für ein gemeinsames Projekt mit dem Kunden BearingPoint.
  2. Aus bestehenden Daten mehr ableiten: Manchmal ist die Herausforderung jedoch eine andere. Wir haben relativ viele Daten, die jedoch nicht einmal ansatzweise genutzt werden. Beispielsweise die Rohdaten aus dem Bewerbermanagementsystem. Oder man hat Daten in verschiedenen Quellen, die nicht mit einander verbunden werden, wie beispielsweise Daten aus dem Bewerbermanagementsystem und Daten aus späteren Performance-Messungen der Mitarbeiter. In diesem Kontext empfehle ich die Firma functionHR aus München, welche 2017 auch mit dem HR innovation award ausgezeichnet wurde in der Kategorie Software & Hardware.

Bots

Bots sind Programme, die automatisiert und dadurch autonom Befehle durchführen. Populäre Beispiele sind Chatbots, bei denen eine Person via Texteingabe mit einem Programm interagiert. Es gibt noch eine gewisse Skepsis von Arbeitgebern und teilweise auch Bewerbern gegenüber Bots, wie beispielsweise Chatbots. Dies liegt häufig daran, dass es an Transparenz mangelt oder auch daran, dass nicht jeder Chatbot sinnvoll eingesetzt wird.  Neben den klassischen Chatbots gibt es auch Lösungen durch Sprachassistenten, wie Alexa oder Siri. Ein HR-Startup, welches in diesem Umfeld sehr aktiv ist und daher sicherlich in den kommenden Jahren noch einige prägende Use-Cases zeigen wird, ist die Firma Jobpal, die sich auf (Chat-)bots im Recruiting-Kontext spezialisiert hat.

Mitarbeiterempfehlungen

Kaum ein erfolgreicher Arbeitgeber kann es sich heutzutage noch leisten, kein eigenes Mitarbeiterempfehlungsprogramm zu haben. Die Vorteile sind zu naheliegend und der Aufwand in der Regel überschaubar. Die meisten Unternehmen nutzen jedoch noch relativ altertümliche Prozesse, Methoden und Tools in diesem Kontext. Deswegen gab es in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum insbesondere zwei junge Unternehmen, die davon profitieren konnten und von denen ich in den kommenden Jahren noch sehr viel erwarte. Firstbird aus Österreich und das Münchener HR-Startup Talentry sind diese beiden Firmen. Beide Unternehmen haben sich der Digitalisierung des Themas Mitarbeiterempfehlung verschrieben und bieten neben Tools auch viel Expertise an, wie man die eigenen Programme zeitgemäß optimieren sollte.

Ich kann auf jeden Fall empfehlen, sich mit beiden Firmen auseinander zu setzen. Da beide noch einige Pfeile im Köcher haben und immer höhere Marktanteile bekommen, werden sie das Thema Mitarbeiterempfehlungen in den nächsten Jahren prägen.

Etabliertere Firmen auf die man ein Auge werfen sollte

Neben den genannten HR-Startups gibt es auch ein paar etablierte Recruiting-Tech-Companies, die sehr innovativ auf dem Markt agieren und meiner Einschätzung nach noch einige Veränderungen in den Markt einbringen werden. Dabei ist hier der Vorteil, dass diese Firmen durch ihre Größe und ihr Vertriebsnetz schneller in der Lage sind, einen Markt mit neuen Ideen zu erschließen und die kritische Masse für den Erfolg von neuen Ideen zu erreichen.

1. LinkedIn: Das globale soziale Business-Netzwerk ist längst deutlich mehr, als nur ein einfaches Business-Netzwerk. Es bietet mittlerweile eine Vielzahl von Recruiting-Produkten an und wird in den kommenden Jahren insbesondere mit einer stärkeren Nutzung des wahren Schatzes an Daten auf dem sie sitzen für Aufmerksamkeit sorgen. Schon heute gibt es Drittanbieter, die die Wechselwahrscheinlichkeit von Kandidaten voraussagen auf Grund der Analyse von LinkedIn-Daten. Diese Informationen könnten, wenn man sie systematisch nutzt, extrem spannend im Kontext von Werbeausspielung sein. Aber nicht nur.

2. Indeed: Indeed ist die weltweit größte Jobsuchmaschine und mittlerweile auch schon mit sehr großem Marktanteil in Deutschland erfolgreich. Indeed hat einen wesentlichen Trend gestartet, der meiner Auffassung nach den Jobbörsen-Markt nachhaltig verändern wird. Mit dem sogenannten pay-for-performance gewinnt gerade ein fundamental anderer Ansatz an Bedeutung als es die Anbieter von laufzeitbasierten Stellenanzeigen über Jahrzehnte in Deutschland etabliert haben. Wir können davon ausgehen, dass pay-for-performance als Geschäftsmodell im Recruiting deutlich an Stellenwert gewinnen wird und dabei ist Indeed der Marktteilnehmer, der den größten Einfluss hat. Dadurch, dass Unternehmen immer häufiger Methoden und Tools aus dem Bereich Recruiting Analytics nutzen, können Sie die Leistung von Kanälen besser einschätzen und wollen dem entsprechend auch nur für Leistung zahlen. Die Zeit von post-and-pray wird bald vorbei sein.

Pay-for-Performance

Laufzeitbasierte Stellenanzeigen

·       Man zahlt für eine fest definierte Leistung – wenn keine Leistung erfolgt, dann entstehen keine Kosten

·       In Deutschland ist bisher das Cost-per-Click-Modell am weitesten verbreitet.

·       In Zukunft werden hier auch andere Modell wichtiger werden, wie Cost-per-Candidate oder Cost-per-Hiring.

·       Man zahlt pro Zeitintervall, unabhängig von der tatsächlichen Leistung

·       In Deutschland werden monatliche Intervalle am häufigsten genutzt.

 

Daneben gibt es natürlich noch viele weitere interessanten HR-Startups und andere Technologie Firmen, die den Recruiting Markt weiter prägen werden. Hier zum Abschluss noch ein paar Tipps, wo man eine gute Auswahl solcher Firmen finden und kennenlernen kann und innerhalb eines Tages einen guten Überblick über aktuelle Trends und Entwicklungen bekommen kann.

  1. Zukunft Personal Europe: Einmal jährlich findet diese Messe in Köln statt und dort gibt es seit wenigen Jahren ein eigenes Areal, welches voller HR-Startups ist.
  2. HR TEC Night: Die HR Tec Night tourt das komplette Jahr durch Deutschland und ist ein explizit niedrigschwelliges Angebot, bei dem man sehr günstig 2-3 Referenten zu einem spezialisierten Thema anhören kann aus dem HR Tech Umfeld.
  3. HR Tech Europe: Jedes Jahr an einem anderen europäischen Standort findet die HR Tech Europe statt – in diesem Jahr in Berlin. Hier findet man das Who-is-Who der europäischen HR Tech Szene inklusive vieler interessanten HR-Startups, die jetzt oder zukünftig auch in den deutschen Markt expandieren werden.

Halten Sie die Augen offen nach neuen Ideen von interessanten Unternehmen, denn die Ideen von heute sind die Veränderungen von morgen.