Internationalisierung von Unternehmen: Wohin expandierst du 2019?

Veröffentlicht am 1.4.2019 von Adam Rosenthal und Ines Bahr

Wir schreiben das Jahr 2019. Die Zukunft ist da. Wir haben den Wind auf dem Mars gehört, YouTube hat Justin Biebers Song „Baby‟ mit seinem eigenen Jahresrückblick „Rewind‟ den Rang als YouTube-Video mit den meisten Dislikes abgelaufen, und wir haben den Lebkuchen-Burger erschaffen.

Auch deine Zukunft ist da. Die Zeit ist gekommen, um dein kleines oder mittleres Unternehmen (KMU) auf dem Globus auszuweiten – sei es nur ein kleiner Hüpfer ins Nachbarland oder gleich ein großer Satz über den Atlantik. Wir haben zwar bereits über das Thema Internationalisierung von Unternehmen geschrieben, aber es gibt ja immer noch Neues hinzuzulernen.

Internationalisierung von Unternehmen: Wohin expandierst du 2019?

Vielen KMU fehlen die Ressourcen, um die Firmengröße, Ausrichtung und das generelle Geschäftsverhalten der Käufer im Ausland zu rechercherien. Doch wer überlegt, international zu expandieren, kann ohne diese Informationen beim Erstellen einer wirksamen Marketing-Strategie schwer ins Stolpern geraten.

Mithilfe eines Überblicks über die demographischen Daten französischer und US-amerikanischer KMU können sich deutsche Unternehmer ein besseres Bild davon machen, auf welche Zielgruppe sie ihr Marketing ausrichten sollen und wie viel Geld dieser Markt potenziell abwirft.

Gartner Digital Markets hat zu diesem Zweck eine Umfrage unter jeweils 270 deutschen und französischen KMU sowie über 700 US-amerikanischen KMU durchgeführt, um zu erfahren, welches Budget sie für den Zeitraum 2019–20 für Unternehmenssoftware angesetzt haben und welche Kaufabsichten sie verfolgen.

Deutschland, Frankreich und die USA sind allesamt wirtschaftlich starke Länder: 2018 belegten die USA den ersten, Deutschland den vierten und Frankreich den sechsten Platz der Volkswirtschaften mit dem höchsten BIP, und sie alle haben konstant eine Vielzahl technischer Neuerungen übernommen. Betrachtet man das Software-Budget dieser Länder, bekommt man ein klares Bild davon, wo ihre hauptsächlichen technischen Interessen liegen.

In diesem Artikel werden wir uns anschauen, welche Informationen du aus dem Vergleich der KMU in diesen drei Ländern ziehen kannst, welches davon für eine (internationale) Expansion möglicherweise vorteilhafter ist, und welches Wissen du aus deinen Erfahrungen als deutsche/r Unternehmer*in auf den ausländischen Markt übertragen kannst.  

Die wichtigste Frage zuerst: Bist du bereit, international zu expandieren?

Bevor du dich zu einer Auslandsexpansion entschließt, musst du dir selbst auf den Zahn fühlen, ob du dafür auch wirklich gewappnet bist. Um das zu überprüfen, beantworte bitte die folgenden vier Fragen:

  1. Besitzt du die nötige Infrastruktur, um zu expandieren?
    Wenn nicht, bereite zunächst deine Mitarbeiter aus dem Verkauf, der Produktion und dem Kundenservice auf eine deutlich höheren Nachfrage vor.
  2. Besitzt du die finanziellen Ressourcen, um international zu expandieren?
    Wenn nicht, erweitere deinen Kundenstamm zunächst im Inland. Einige der Tipps in diesem Artikel werden trotzdem auch für dich hilfreich sein, also lies weiter!
  3. Reichen deine Fremdsprachenkenntnisse aus, um international zu expandieren?
    Wenn nicht, findest du in diesem Artikel Tipps, um dich der Sprache und Kultur des Landes anzunähern, in das du expandieren willst.
  4. Weißt du, wie viel Geld für dich beim EU-Nachbarn oder in den USA zu holen ist?

Wenn nicht, lies weiter!

Wo steckt in den USA, Frankreich und Deutschland das Geld?

Werfen wir einen Blick auf die folgenden drei Diagramme. Für jedes Land — die USA, Frankreich und Deutschland — haben wir die drei Arten von Software ausgewählt, für die der größte Teil des Budgets eingeplant ist. Die Unternehmen sind in verschiedene Größen untergliedert, damit wir gezielt ihre jeweilige Investitionsrate betrachten können.

Internationalisierung von Unternehmen: US-amerikanischen Unternehmen die in Software investieren wollen
Schaubild 1: Dieses Diagramm zeigt das jeweilige Interesse der unterschiedlich großen Unternehmen an den aufgelisteten Technologien (in Prozent).
Internationalisierung von Unternehmen: französischen Unternehmen die in Software investieren wollen
Schaubild 2: Frankreichs größte Unternehmen scheinen bei der Investition in beliebte Softwarekategorien zurückhaltender zu sein. Den Grund dafür erfährst du weiter unten.
Internationalisierung von Unternehmen: deutschen Unternehmen die in Software investieren wollen
Schaubild 3: Diese Diagramme zeigen deutlich die Unterschiede zwischen den USA Frankreich und Deutschland sowie die internationale Stimmungslage der Unternehmen.

Warum sind diese Arten von Software Spitzenreiter?

Software für Daten- und Informationssicherheit und Cloud-Anwendungen haben es in allen drei betrachteten Ländern in die Top 3 geschafft.

Cloud Computing — mit seinen Teilbereichen SaaS (Software as a Service), PaaS (Platform as a Service) und IaaS (Infrastructure as a Service) — ist aus der heutigen Arbeitspraxis kaum noch wegzudenken, inbesondere in Unternehmen, die großen Bedarf an Speicherpatz haben und Firmenniederlassungen an unterschiedlichen Orten miteinander koordinieren müssen.   

Die große Beliebtheit, der sich Software für Daten- und Informationssicherheit in Deutschland und Frankreich erfreuen, lässt sich damit erklären, dass beide Länder als Mitgliedsstaaten der EU der strikten Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) unterliegen. Als deutsches Unternehmen, das in die USA expandiert, sollte man sich bezüglich des Datenschutzes gut informieren, um z. B. durch das Übertragen von personenbezogenen Daten nicht gegen die DSGVO zu verstoßen und heftige Bußgelder zu riskieren.

Das bedeutet umgekehrt auch, dass jede US-amerikanische Firma, die mit europäischen Staatsbürgern und Unternehmen interagiert, die DSGVO ebenfalls erfüllen muss. Angesichts internationaler Geschäftsbeziehungen, der wachsenden Besorgnis über die Sicherheit im Internet und diverser anderer Sicherheitsvorschriften verwundert es nicht, dass alle drei Länder verstärkt in Software für Daten- und Informationssicherheit investieren.

Sowohl in Deutschland als auch in den USA fällt Software für die Finanzverwaltung und Buchführung in die drei Top-Kategorien, während Frankreich stärker in CRM Software investiert, um die Beziehung zu den Kunden zu pflegen.

Das lässt sich damit erklären, dass Deutschland und die USA auf dem globalen Markt an ihren jeweiligen Standorten auf ähnlichen Gebieten operieren: Sie gehören in puncto Handel, Produktion und Transport zu den führenden Nationen. In diesen drei Industriebranchen bildet Software für die Finanzverwaltung / Buchführung ein unerlässliches Hilfsmittel für kleine und mittelständische Unternehmen.

Interpretation der unterschiedlichen Investitionsraten: 3 Erkenntnisse

1. Große US-amerikanische Unternehmen investieren insgesamt mehr in Technik als deutsche und französische Firmen

Sehen wir uns die Investitionsraten in den Schaubildern 1–3 an.

Abgesehen von den Betrieben, die weniger als 5 Millionen US-Dollar pro Jahr erwirtschaften, investieren US-amerikanische KMU stärker in Software als ihre europäischen Pendants — in einigen Fällen beinahe doppelt so viel.

Auch wenn das bedeutet, dass für Software-Händler in den USA insgesamt mehr Geld zu holen ist, sollte man auch Frankreich als Ziel für die Unternehmensexpansion nicht gleich ausklammern!

Zwar verfügen die großen US-Firmen über umfassende finanzielle Ressourcen, aber das geht mit einem harten Wettbewerbskampf einher, denn es gibt eine Fülle anderer Unternehmen, die eifrig versuchen, sich den Deal zu sichern.  

2. Kleinere Unternehmen sind in Frankreich der Schlüssel zum Verkaufserfolg

Wenn du nach wie vor daran interessiert bist, deine Software auch in Frankreich zu vertreiben, solltest du das Augenmerk auf die kleineren französischen Betriebe legen.

Was ihre Investitionsrate angeht, so übertreffen die französischen Unternehmen mit einem Jahresertrag unter 5 Millionen USD in allen drei Software-Kategorien die deutschen und selbst die US-amerikanischen Firmen ähnlicher Größe.

Hier ein Beispiel: 44 % der französischen Kleinunternehmen beabsichtigen, in Software zur Daten- und Informationssicherung zu investieren. Demgegenüber stehen 29% der deutschen und 36 % der US-amerikanischen KMU.

Frankreich verzeichnet beim Einsatz neuer Technologien sagenhafte Zuwachsraten

Werfen wir einen kurzen Blick auf die Kategorie Cloud Computing. In Frankreich haben 41 % der Unternehmen mit einem Jahresertrag zwischen 50 und 100 Millionen USD ein Budget für Cloud Computing Software veranschlagt. In Deutschland liegt der Vergleichswert bei nur 30 %.

Ein Grund für diesen Unterschied ist, dass Frankreich bei der Nutzung von Cloud Software einen ordentlichen Schritt zugelegt hat – so spricht die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing Germany Trade & Invest von zweistelligen Zuwachsraten im Bereich Cloud Computing in Frankreich. Selbst die größeren Unternehmen, die sich am stärksten gegen die Übernahme neuer Technologien gesträubt haben, können sich dem Bedarf an Cloud-Software nicht länger entziehen.

3. Wenn du im Inland expandierst, verkaufe deine technischen Neuheiten an größere deutsche KMU

Wenn neu aufkommende Technologien dein Beschäftigungsfeld bilden – wie Blockchain,  Augmented Reality, Internet of Things (IoT) oder Künstliche Intelligenz, solltest du überlegen, größere KMU im Inland anzupeilen.

Die Nutzungsrate deutscher Unternehmen hinsichtlich neuartiger Technologien und Software ist bereits jetzt bemerkenswert hoch und wird voraussichtlich noch weiter ansteigen. Unternehmen mit einem Schätzwert von 10–50 Millionen USD und über 100 Millionen USD rechnen für IoT-Technologien innerhalb der kommenden zwei Jahre mit einem Anstieg auf 54 % bzw. 66 %.

Das bedeutet: Um auf diesem massiven Markt Fuß fassen zu können (auf dem sehr viel Geld zu holen ist), solltest du als einen der ersten Schritte bei der Expansion eine Marketing-Strategie planen und umsetzen, damit deine Marke möglichst bald einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht.

Für den Erfolg ist es – insbesondere bei neu aufkommenden Technologien – unabdingbar, dass sich deine Firma als vertrauenswürdig präsentiert und als sachkundige Informationsquelle.

Was kannst du mit diesen Informationen anfangen?

Je nachdem, wie etabliert oder neuartig deine Technologie ist, gilt es, sorgfältig auszutarieren, wie du deinen Preis und deine Produktion auf die Größe der Zielunternehmen zuschneidest.

Je besser du über das finanzielle Potenzial und die Interessen in dem Land, in das du expandieren möchtest, Bescheid weißt, desto besser kannst du entscheiden, wie du dein Produkt dort vermarkten kannst. Außerdem führt es dir vor Augen, mit welchen Einnahmen du rechnen kannst und wie lange es voraussichtlich dauern wird, ein stabiles internationales Unternehmen aufzubauen.   

Technologische Prioritäten ändern sich abhängig von der Größe und dem Standort einer Firma. Wir raten dir daher, als Nächstes diese Schritte zu befolgen:

  • Wenn Frankreich dein angestrebtes Ziel ist, findest du hier Informationen, wie du eine erfolgreiche Expansion nach Frankreich vorbereitetst.
  • Lass dich beraten – die deutsch-französische Handelskammer sowie die deutsch-amerikanische Handelskammer unterstützen Unternehmen beim Markteinstieg in den jeweiligen Ländern.
  • Finde heraus, wie Frankreich und die USA und ihre Bedürfnisse nach neuen Technologien im Vergleich zu Deutschland aussehen.
  • Schau dir an, welche Größe die Unternehmen im angestrebten Land haben, die eher in deine Produkte investieren werden.
  • Richte deine Marketing-Strategie auf die Unternehmen aus, die höhere Gewinne versprechen.

Informationen zu Capterras Umfrage über die Top-Technologie-Trends für KMU

Capterra hat diese Umfrage im Juni und Juli 2018 unter insgesamt 540 deutschen und französischen und 715 US-amerikanischen KMU mit mehr als einem Angestellten und einem Jahreseinkommen von bis zu 100 Millionen USD durchgeführt. Gemeinnützige Organisationen wurden nicht in diese Studie einbezogen. Bei den befragten Personen handelt es sich um Mitarbeiter, die darüber entscheiden, in welche Technologien die Firma investieren wird, oder die zumindest maßgeblich an der Entscheidung beteiligt sind.