Marketing für Selbständige: Die digitale Präsenz erhöhen

Veröffentlicht am 12.2.2019 von Emeline Jamoul und Ines Bahr

Marketing für Selbständige

Für viele ist „Freelancer“ gleichbedeutend mit Freiheit. Selbständig zu sein heißt, arbeiten zu können, wie man will, wann man will und für wen man will. Vorausgesetzt natürlich, man hat auch Projekte und Kunden! Genau da liegt nämlich das Problem: Vielen Freiberufler*innen fällt es schwer, sich einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erarbeiten. Wie kann man sich in einem bereits gesättigten Markt die nötige Sichtbarkeit verschaffen? Immer mehr Menschen entscheiden sich für die Selbständigkeit. Wie schafft man es als Soloselbständige*r, sich von diesen anderen abzuheben und Kunden zu finden?

Niemand kommt drumherum, seine Dienstleistungen und Produkte aktiv zu bewerben, um sich bekannt zu machen – was allerdings längst nicht jedem liegt. Die gute Nachricht: Das digitale Marketing steht jedem offen, ganz unabhängig vom eigenen Budget. Man muss nicht L’Oréal oder Starbucks sein, um potentielle Kund*innen zu erreichen. Die folgenden Ratschläge sollen dir helfen, in vier Schritten mehr digitale Präsenz zu erlangen und als Freiberufler*in an mehr (und hoffentlich auch bessere) Aufträge zu kommen.

1. Sei präsenter in sozialen Netzwerken

Nein, soziale Netzwerke sind längst nicht nur was für Jugendliche, falls du das gedacht haben solltest. Sie sind integraler Bestandteil des Inbound-Marketings, einer derzeit sehr angesagten Strategie, die darauf abzielt, Kunden zu dir kommen und dich von ihnen finden zu lassen, statt zu ihnen zu gehen. Soziale Netzwerke sind zu unverzichtbaren Kanälen der digitalen Unternehmenskommunikation geworden. Mehr als 38 Millionen Deutsche sind auf diesen Plattformen aktiv und nicht ohne Grund machen alle großen Marken von ihnen Gebrauch, um ihre Zielkunden zu gewinnen. Warum also nicht auch du?

Marketing für Selbständige Twitter
Netflix hat die Kommunikation in sozialen Netzwerken perfekt drauf. (Quelle)

Welches soziale Netzwerk ist das Richtige?

Facebook, Instagram, LinkedIn, Twitter oder gar Snapchat? Die Entscheidung für ein Netzwerk ist gar nicht so einfach. Aber keine Sorge, du musst nicht alle Plattformen gleichzeitig nutzen, um deine Aktivitäten zu bewerben. Nicht umsonst heißt es: „Wer alles macht, macht nichts richtig“. Die Frage, die du dir stellen musst, um den richtigen Kanal für deine Werbekommunikation auszuwählen, ist ganz einfach: Wo bewegen sich deine Kunden? Anders gesagt: Finde heraus, welches soziale Netzwerk deine Kunden hauptsächlich nutzen – um sich unterhalten zu lassen, für den Austausch mit anderen oder um sich zu informieren. Diese Plattform ist es, auf der du eine Verbindung zu bestehenden wie potentiellen Kunden herstellen kannst.

Welche Inhalte soll ich teilen?

Was die Inhalte betrifft, solltest du nicht unterschätzen, welchen Vorteil dir die kleine Größe deines Unternehmens bieten kann. Mach eine große Stärke daraus! Für dich ist es sehr viel einfacher als für Großunternehmen mit zahllosen Mitarbeitern, ein persönliches, einheitliches und einzigartiges Markenimage aufzubauen. Wer erfährt nicht gerne, was hinter den Kulissen vor sich geht, oder hat Zugriff auf exklusive Angebote? Weck die Neugier deiner Abonnent*innen, indem du Einblicke in deinen Alltag gewährst, neue Projekte oder Dienstleistungen ankündigst und Ähnliches mehr. Dabei sollte die Kommunikation in beide Richtungen stattfinden: Stell deinen Followern Fragen, starte Wettbewerbe oder bitte sie in Umfragen um ihre Meinung! Mit solchen Veröffentlichungen gewinnst du wirklich das Vertrauen deiner Follower.

Wie soll ich die Kommunikation in sozialen Medien organisieren?

Wenn du ein oder mehrere Konten in sozialen Netzwerken hast, wird die Verwaltung vermutlich schnell (zu) zeitaufwendig. Ideen sammeln, Posts verfassen und veröffentlichen oder auf Feedback reagieren: Das nimmt Zeit in Anspruch, die du auch für andere geschäftliche Tätigkeiten gebrauchen könntest.

Zum Glück gibt es viele nützliche Softwarelösungen zum Verwalten sozialer Netzwerke, die dir dabei helfen. Pionier dieser Programme ist Hootsuite, das es ermöglicht, die Veröffentlichungen in einem oder mehreren sozialen Netzwerken zu planen und zu verwalten und somit den Überblick über die gesamte Onlinekommunikation zu behalten. Ein unersetzliches Werkzeug, das weltweit schon von mehr als 16 Millionen Personen genutzt wird.

2. Erstell deine Website

Es ist schön und gut, in sozialen Netzwerken präsent zu sein. Noch besser ist es aber, eine eigene Website zu haben. Mit intuitiven Softwarelösungen wie Wix oder Weebly kannst du unkompliziert und kostengünstig (oder sogar kostenlos) eine eigene Website erstellen. Deine Website ist dein eigener Bereich, dein Aushängeschild und dein wichtigstes Instrument zur Eigenvermarktung: Dort präsentierst du, was du machst und wer du bist. Eine echte Goldmine für deine digitale Präsenz und Sichtbarkeit! Deine treuen Follower in sozialen Netzwerken wollen garantiert mehr über dich und deine Arbeit erfahren. An dem Punkt, an dem jemand eine Website besucht, wird aus dieser Person oft ein potentieller Kunde. Diese Konversion ist wichtiger Bestandteil einer Geschäftsstrategie, die letztlich darauf abzielt, den Absatz zu fördern.

Das Thema SEO

Die Suchmaschinenoptimierung (SEO, Search Engine Optimization) umfasst eine Reihe von Maßnahmen zum Verbessern des Website-Rankings auf der Ergebnisseite von Google (im Fachjargon SERP genannt).

Stell dir vor, du wärst auf der Suche nach einem Blumenhändler in deiner Nähe. Die einfache Suche nach „Blumenladen Berlin Mitte“ bringt dir schon eine Menge nützlicher Treffer.

Marketing für Selbständige SEO
Suchergebnis für „Blumenladen Berlin Mitte“ auf Google

Das Prinzip ist einfach: Je weiter oben eine Website im Ranking steht, desto wahrscheinlicher ist es, dass Nutzer sie aufrufen. Wann hast du zuletzt die zweite oder dritte Suchergebnisseite auch nur geöffnet?

Die Suchmaschinenoptimierung will Unternehmen den Weg zum Heiligen Gral bereiten, nämlich einem Platz auf der ersten Seite einer Suchmaschine. Dazu wird SEO hauptsächlich auf redaktioneller Ebene eingesetzt. Es geht darum, die anzuwendenden Techniken zu erlernen (Verwendung gut gewählter Keywords, Best Practices bei der Nutzung von Bildern usw.), damit Google deine Texte und Artikel als nützlich und relevant einordnet. Je besser Google Inhalte findet, desto höher werden sie gerankt. Auch hier kann entsprechende SEO-Software wie z. B. SemRUSH sehr nützlich sein.

Bei alledem ist jedoch Vorsicht geboten: Vergiss nie, dass du dich an Leser*innen aus Fleisch und Blut wendest, nicht an Roboter. Du musst echtes Interesse wecken und anderen Lust darauf machen, sich auf deiner Website aufzuhalten.

Content Marketing oder: Der Blog 2.0

Das Thema Content Marketing hängt mit alledem eng zusammen. Es zielt darauf ab, deine Marke durch Inhalte (Texte, Bilder, Audio, Video, …) zu bewerben. Dabei ist es natürlich ganz und gar nicht egal, was das für Inhalte sind. Du musst die Erwartungen und Bedürfnisse deiner potentiellen Kunden haargenau analysieren und auf sie eingehen. Ziel ist es, ein Bild zu vermitteln, das zeigt, dass du deine Zielkunden verstehst und ihre Interessen dir am Herzen liegen. Dazu musst du Inhalte erstellen, die sie wirklich interessieren. Denken wir noch einmal an den Blumenladen in Berlin Mitte: Um Besucher*innen auf seine Website aufmerksam zu machen, könnte er beispielsweise nützliche Artikel für Hobbygärtner veröffentlichen („Die besten Zimmerpflanzen für dunkle Räume“, „Deko-Trends für 2019: Der urbane Dschungel-Look“ oder „4 Tipps für einen grünen Daumen“, …). Wenn zusätzlich noch die Regeln der Suchmaschinenoptimierung eingehalten werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Blumenladen bei Suchen zu diesem Thema auf der ersten Ergebnisseite auftauchen wird.

3. Mach dich auf Plattformen für Freelancer bekannt

Es gibt eine Menge Online-Plattformen, auf denen Freiberufler*innen sich anmelden und ihre Dienstleistungen bewerben können. Diese Websites haben durchaus Vorteile:

  • Die aktive Suche nach potentiellen Kunden wird überflüssig, da Kunden auf der Suche nach Dienstleistern selbst Anzeigen veröffentlichen können. Du brauchst dich nur zu bewerben und ein attraktives Angebot zu machen.
  • Auch die Rechnungsstellung oder das Problem nichtbezahlter Rechnungen werden weniger kompliziert, wenn sich automatisierte Zahlungssysteme bei Erbringung der Dienstleistung darum kümmern.
  • So bekommst du schnell einen Fuß auf die Erde und kannst dir eine kleine Kundenbasis aufbauen oder den Kundenstamm, den du dir über die anderen genannten Kanäle erarbeitet hast, erweitern.

Ein weiterer Vorteil solcher großer Marktplätze ist die große Vielfalt an Angeboten. Vielen Selbständigen, die im Gegenzug nur ein wenig Zeit investieren mussten, waren sie zu Beginn ihrer Karriere eine große Hilfe. Schau bei der Suche nach geeigneten Plattformen auch nach branchenspezifischen Foren und höre dich unter deinen Kolleg*innen um, wo es gute Preise zu erzielen gibt.

4. Starte E-Mail-Kampagnen

Die Algorithmen sozialer Netzwerke ändern sich ständig und sorgen häufig dafür, dass gesponserte (kostenpflichtige) Beiträge gegenüber kostenlosen, organischen Posts bevorzugt angezeigt werden. In anderen Worten: Wenn du nicht wenigstens einen Mindestbetrag investierst, ist die Reichweite deiner Beiträge in den sozialen Medien eher gering und dein Publikum entsprechend klein. Als Selbständige*r verfügt man nun aber nicht unbedingt über ein großes Marketingbudget, das man einsetzen kann, um über diese Kanäle ausreichend Kunden zu generieren.

An dieser Stelle kommt das E-Mail-Marketing ins Spiel. E-Mails sind eine zunehmend häufig genutzte Strategie im Marketing und funktionieren auch für Selbständige. Wenn du eine Strategie entwickelst, um die E-Mail-Adressen potentieller Kunden zu zusammenzutragen, bekommst du die Möglichkeit, sie direkt zu kontaktieren und über Neuigkeiten und aktuelle Angebote zu informieren. Wie du diese Kontaktinformationen bekommst? Du kannst beispielsweise kostenlose Ressourcen anbieten, die sie direkt in ihren Posteingang gesendet bekommen (Kunden lieben Geschenke!). Sobald du die E-Mail-Adressen hast, kannst du mit E-Mail-Marketing-Software wie MailChimp oder ConvertKit deine Mailinglisten verwalten, E-Mail-Kampagnen planen und Newsletter versenden. Diese Methode ist deutlich zuverlässiger als die Betätigung in sozialen Netzwerken – vorausgesetzt freilich, du hältst alle Vorschriften der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein.

Das digitale Marketing für Selbständige: Eine nicht zu unterschätzende Ressource

Wahrscheinlich ist es dir schon klar: Um heutzutage etwas zu verkaufen, muss man sichtbar und auffindbar sein. Selbständige müssen die Möglichkeiten digitaler Technologien bestmöglich ausnutzen, egal ob sie potentielle Kund*innen lieber durch Inbound-Marketing-Techniken anlocken oder sich direkt auf die Jagd nach Kunden machen. Eine gute digitale Präsenz macht es möglich, sich auch in einem gesättigten Markt von der Konkurrenz abzuheben. Freelancer, die nicht in sozialen Netzwerken aktiv sind, keine Website haben und das E-Mail-Marketing außer Acht lassen, verpassen eine große Chance. Der Weg zum Unternehmertum mag viele Hürden und Fallstricke bereithalten, aber es gibt für alle Probleme auch eine Menge guter Lösungen.

Wie organisierst du deine Eigenvermarktung und deine digitale Präsenz? Hast du Tipps fürs Marketing für Selbständige? Erzähl es uns – gern auch in den sozialen Netzwerken!