Reply Xchange 2018 – Robotik, künstliche Intelligenz und Stargast Sebastian Thrun

Veröffentlicht am 11.7.2018 von Ines Bahr

Capterra besuchte die diesjährige Xchange, eine jährliche paneuropäische Veranstaltung von Reply, um neueste Technologie-Trends für dein kleines oder mittelständisches Unternehmen ausfindig zu machen.

  • AI führt zu einer Demokratisierung für kleine Unternehmen
  • AI ist nicht nur großen Unternehmen vorbehalten; kleine Unternehmen haben sogar Vorteile
  • Investitionen lohnen sich und Pay-Back-Zeiten sind äußerst gering

Die Messe zählte rund 900 Teilnehmer und fand am 22. Juni in der BMW Welt in München statt. In insgesamt 28 Präsentationen und vielen innovativen Produkt-Vorstellungen im Ausstellungsbereich wurden die wichtigsten Trends für das Jahr 2018 im Gebiet der digitalen Transformation vorgestellt. Die diesjährige Xchange drehte sich hauptsächlich um die Themen Künstliche Intelligenz, Cloud-Computing, Mobilität der Zukunft, Virtual Reality, Data Driven Marketing, Industrie 4.0, Maschinen und Roboter sowie Internet of Things.

Reply unterstützt mit seinem Netzwerk aus hochspezialisierten Unternehmen aus verschiedensten Bereichen und Sektoren europäische Unternehmen bei der Einführung von Lösungen, die auf neuen Technologien wie Big Data, Cloud-Computing, Digitalen Medien und Internet of Things basieren.

Der absolute Höhepunkt des Tages war eine exklusive Pressekonferenz mit Robotik-Spezialisten Sebastian Thrun. Thrun war Professor für Artificial Intelligence (AI) an der Stanford University und Vice President bei Google, wo er unter anderem das selbstfahrende Google-Auto entwickelte.

Reply Xchange 2018 - Robotik, künstliche Intelligenz und Stargast Sebastian ThrunLinks im Bild Sebastian Thrun, rechts Dr. Thomas Hartmann, Vorstand Reply AG

Unfall des selbstfahrenden Google-Autos, Wegfall von Arbeitsplätzen und Datensicherheits-Risiken – Thrun bleibt positiv

Sebastian Thrun teilte sein Bedauern bezüglich des Unfalls Anfang Mai des autonom fahrenden Autos von Google mit. Er meinte jedoch: „Jede neue Technologie bringt einen Risikofaktor mit sich. Meine Hoffnung ist, dass wir durch neue Technologien und das selbstfahrende Auto die Anzahl der Unfälle massiv reduzieren können. Wir verlieren weltweit im Jahr 1,2 Millionen Personen in Unfällen. Wenn man die Statistiken anschaut, was diese Unfälle erzeugt, ist der Grund zum größten Teil, dass der Fahrer einfach nicht aufgepasst hat. Da hat das selbstfahrende Auto die Chance, besser zu werden als der menschliche Fahrer.”

Datenschutzbedenken sieht er persönlich nicht als kritisch an. „Ich glaube, dass Deutschland eine wichtige Thematik zum Datenschutz vorantreibt. Die richtige Strategie ist nicht immer eindeutig. Auf der einen Seite gibt es durch Daten unglaubliche Möglichkeiten die Welt besser zu gestalten, wie z.B. in der Medizin oder der Bildung. Mit großen Datenmengen können Entscheidungen besser getroffen und Patienten besser geheilt werden. Gleicherdings teile ich mit der deutschen Bevölkerung den Gedanken, dass private Daten privat bleiben sollten. Ich freue mich eigentlich, dass ein Dialog existiert. Auch wenn ich teilweise Entscheidungen anders treffen wurde. Ich bin generell ein optimistischer Mensch, der gerne in die Zukunft projizieren möchte. Trotzdem glaube ich, dass die Themen wirklich wichtig sind und nicht einfach sind.”

Weiterhin nennt er die Befürchtung der Bevölkerung um ihre Arbeitsplätze als real, Thrun erwidert jedoch: „Wir müssen als Bevölkerung richtig damit umgehen. Historisch gesehen hat die Einführung von Maschinen das menschliche Leben verbessert, nicht verschlechtert. Vor 150 Jahren gab es keine Elektrizität, kein Penicillin, keine Smartphones, alles Dinge die uns heute wichtig sind und wir als gegeben hinnehmen. Vor 150 Jahren gab es keine Radioreporter oder Software-Ingenieure. Jede Menge Jobs die heute existieren gab es vor 150 Jahren nicht. Ich glaube, dass wir nach wie vor genügend menschliche Arbeit haben werden. Wir sind in der Mitte der Revolution und wir haben keine massive Arbeitslosigkeit. Wir finden immer neue Jobs.”

Pay-Back-Zeiten für IT-Investitionen aus den Reihen der neuen Technologien sind extrem kurz

Ein weiterer Höhepunkt der Konferenz war die erstmalige Vorstellung der Robotic Process Automation (RPA)-Studie. Stefan Gössel, Managing Partner bei Leadvise Reply erklärt was RPA bedeutet und präsentiert die wesentlichen Ergebnisse. „RPA kann man als virtuelle Maschine bezeichnen, die Aufgaben eines typischen Sachbearbeiters übernimmt. Die Maschine arbeitet operative, standardisierte Prozesse ab. Der Roboter muss auf jeden Prozess im Unternehmen programmiert werden und kann folglich wenn-dann-Prozesse ausführen. Der Roboter macht keine Fehler, jedoch muss man ihm im vornherein genau sagen, was er machen soll“, erklärt Gössel.

In der Studie wurden 59 Unternehmen aus Europa, hauptsächlich aus der DACH-Region zu ihren Erfahrungen mit RPA befragt. Die Effizienzziele der Unternehmen wurden mit 90% und das Pay-Back in unter einem Jahr erreicht. „Das ist enorm für ein IT-Projekt“, merkt Gössel an. „Durch die Automatisierung fallen repetitive Aufgaben weg, was in Deutschland als extrem positiv angesehen wird,“ führt er weiter fort.

AI führt zu einer Demokratisierung für kleine Unternehmen – die Technologie ist dank der Cloud zugänglich für alle und auch bezahlbar

Capterra führte im Anschluss ein exklusives Interview mit Stefan Gössel und Dr. Thomas Hartmann, Vorstand der Reply AG. In dem Interview hakten wir genauer nach, ob die Technologie-Trends in diesem Jahr auch für kleine und mittelständische Unternehmen zugänglich sind.

Dr. Thomas Hartmann erklärt: „Kleine Unternehmen haben sogar einen Vorteil, da sie über weniger Prozesse verfügen. Sie können Unternehmensprozesse leicht abbilden und RPA schnell einführen. Große Unternehmen haben unzählige Prozesse und können ca. 1 bis 3 Jahre brauchen, um diese abzubilden. Oftmals kennen sie auch nicht jeden Prozess, der im Unternehmen abläuft. Das ist bei kleinen Unternehmen anders.“

Stefan Gössel ergänzt, „RPA stößt auf eine Grenze, und zwar die Grenze der Intelligenz. Deshalb liegt in 2018 der Trend auf einer Integration von Machine Learning und AI.“

RPA basiert auf Regeln oder wenn-dann-Anweisungen, die einem Programm mitteilen, was unter bestimmten Bedingungen zu tun ist. AI ist ein Oberbegriff, der auch RPA umfasst. Die aufregende Seite von AI ist jedoch, die Fähigkeit datenbasiert zu Lernen und dadurch intelligente Entscheidungen zu treffen. Im Gegensatz zu RPA besitzt AI also die Fähigkeit, eine Lösung zu finden, selbst wenn es mit einer ungewohnten Aufgabe konfrontiert wird.

Sebastian Thrun zufolge führt AI sogar zu. „(…) einer Demokratisierung für kleine Unternehmen. AI ist für alle zugänglich und kann dank der Cloud bereits mit einer kleinen Investition angefangen werden. Viele kleine Unternehmen können von der Technologie profitieren wie z.B. Rechtsanwälte.“

Elektrofahrzeuge mit Blockchain laden, intelligentes Licht im Gewächshaus nutzen und viele weitere Innovationen

Auf einer Tour durch den Ausstellungsbereich wurden innovative Produkte vorgestellt bzw. vorgeführt, die sich diesen neuen Technologien bedienen.

Reply Xchange 2018 - Robotik, künstliche Intelligenz und Stargast Sebastian ThrunAusstellungsbereich BMW Welt München

Viele der Innovationen stammen aus dem Bereich Internet of Things sowie AI und waren beeindruckend.

Die HiConnect Smart Appliance Plattform entwickelt eine Wine-Cooler-App. Die App kommuniziert mit einem Weinschrank. Sie erkennt, welche Weine sich darin befinden und kühlt sie automatisch auf die passende Temperatur ab. Die App schlägt dem Nutzer weiterhin passende Rezepte zu den Weinen vor. Falls Sie noch einen intelligenten Ofen oder Kühlschrank im Haus haben, schickt die App sogar die richtigen Einstellungen bezüglich Zeit und Temperatur an den Ofen oder löst eine Bestellung aus, falls die benötigten Zutaten nicht im Kühlschrank vorhanden sind.

Über eine App können Elektrofahrzeuge über die Blockchain geladen werden. Mit Hilfe einer offenen Blockchain-Plattform können verschiedene Anbieter mit Hilfe von Smart Contracts – ohne einen zentralen Zahlungsanbieter – ihren Strom den Kunden verkaufen. Durch den Start- und Endzeitpunkt des Ladevorgangs und der Watt-Anzahl kann die Zahlung automatisiert eingeleitet werden.

Tag Sensor ist der erste druckbare Temperatursensor, in Größe eines Stickers, der an jedem Produkt oder Verpackung angebracht werden kann. Er misst die Temperatur, in der sich das Produkt befindet. Durch Scannen des Stickers beim Eintreffen der Ware kann die Temperatur zu jeder Zeit des Transports kontrolliert werden.

Lightelligence ermöglicht unter Verwendung von Internet of Things-Sensoren die intelligente Steuerung von Licht, wodurch z.B. in einem Gewächshaus automatisch erkannt wird, welches Licht am besten für das Wachstum der Pflanzen ist.

Die neuen Technologien drehen die Welt um – kleine Unternehmen können trumpfen

AI ist gewiss kein neues Thema, sondern Forschungen zur künstlichen Intelligenz gibt es schon lange. Die Themen treten allerdings im Jahr 2018 in den Vordergrund, da die Implementierung der Technologien für Unternehmen sowie Privatleute real wird.

Der Trend ist nicht den Großunternehmen vorbehalten, sondern ist für Unternehmen jeder Größe wirkungsvoll. Durch die Cloud sind neue Technologien für alle zugänglich. Auch kleine Investitionen lohnen sich und die Amortisationszeiten sind sehr gering. Bei einem Unternehmen mit 50.000 Mitarbeitern ist der Entscheidungsprozess und die Zeit zwischen Beschluss und Implementierung lang. Startups mit nur 5 Mitarbeitern können die Technologien sofort einsetzen. Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen, die RPA anwenden sehr mit den positiven Auswirkungen wie Zeit- bzw. Kostenersparnisse und Effizienzsteigerung zufrieden sind. In den Vorträgen erzählen Unternehmen wie Telefónica von ihren positiven Eindrücken durch eine gesteigerte Kundenzufriedenheit mit Hilfe von AI.

Unternehmensgröße ist also nicht mehr die entscheidende Metrik. Es geht um Innovation, darum sich etwas zu trauen und Neues zu wagen.

„Durch die neuen Technologien dreht sich die Welt um. Die Frage ist nicht mehr ob groß oder klein, sondern mutig oder nicht mutig.“ – Dr. Thomas Hartmann