4 Dinge, die Science-Fiction über modernes Projektmanagement vorausgesagt hat

Veröffentlicht am 6.7.2018 von Ines Bahr

Fliegende Autos, Teleportation, das Holodeck.

Science-Fiction hat zahllose imposante Technologien vorausgesagt, die es leider noch nicht in die Realität geschafft haben (auch wenn wir ganz schön nah dran sind, was die fliegenden Autos betrifft).

Was dir vielleicht jedoch noch nicht bewusst ist: Einige der Technologien, die von Science-Fiction vor Jahrzehnten vorhergesagt wurden, gibt es bereits und sie werden ein wichtiger Bestandteil des modernen Projektmanagements.

modernes Projektmanagement

In Science-Fiction-Werken führen technologische Durchbrüche oft zu verheerenden Ergebnissen. Jede Geschichte braucht schließlich auch einen Konflikt.

In der Realität geschehen jedes Jahr technologische Durchbrüche und die meisten davon tragen dazu bei, das Leben und die Arbeit unkomplizierter, schneller und (auf lange Sicht) kostengünstiger zu gestalten. Die Technologie ist der beste Freund des Projektmanagers (nun ja, Technologie und gute Mitarbeiter).

Ich habe mir bei vier Technologien einmal angesehen, wie sie in der Science-Fiction dargestellt werden, welche Vorteile sie dem modernen Projektmanagement bringen und wie sie zukünftig angewendet werden könnten.

4 Prognosen der Science-Fiction über modernes Projektmanagement

1. Künstliche Intelligenz

modernes Projektmanagement

Komm schon, HAL, sei cool …

Science Fiction

Künstliche Intelligenz wurde in Science-Fiction längst nicht immer positiv dargestellt, ob HAL in „2001: Odyssee im Weltraum“ oder Skynet in der Serie „Terminator“.

Üblicherweise besteht die Handlung darin, dass Menschen ihre künstliche Intelligenz so intelligent werden lassen, dass sie ein Ichbewusstsein entwickelt und empfindungsfähig wird. Daraufhin beschließt die KI, dass die Menschheit eine Gefahr für ihr Wohlbefinden darstellt, und handelt dementsprechend (Auslöschung). Unser weiches Fleisch und unsere Emotionen passen üblicherweise nicht gut zu ihren scharfen Metallteilen und ihrer Supercomputer-Intelligenz.

(Um fair zu bleiben: Gelegentlich zeigt Science-Fiction künstliche Intelligenz auch in einem positiven – oder zumindest wohlwollenderen – Licht. Man denke nur an R2-D2 und Rosie den Roboter.)

Die Realität

Die gute Nachricht: KI ist nicht da draußen, um uns zu vernichten. Stattdessen ist sie in vielen Projektmanagement-Anwendungen schon jetzt ein nützliches Tool. Die Verknüpfung zwischen KI und Projektmanagement ist bei Weitem keine neue Entwicklung.

Vor über 30 Jahren schrieb W. N. Hosley einen Artikel mit dem Titel „The application of artificial intelligence software to project management“. In diesem Artikel prognostizierte er, KI würde eines Tages in der Lage sein, Projektmanagement-Aufgaben wie die Vorbereitung eines optimalen Projektzeitplans und -budgets oder Wert- und Risikoanalysen durchzuführen.

Funktionen für KI-unterstütztes Planen, Budgetieren und Risikomanagement sind in vielen Projektmanagement-Softwarepaketen mittlerweile Standard.

Ein weiteres Beispiel ist Software, die dir während der Verwendung durch integrierte Tutorials beibringt, wie du sie zu nutzen hast, oder ein Chatbot, der dir Hilfe zu deinem Projektmanagement-System bietet.

Was wird die Zukunft bringen? Stell dir vor, du würdest dich mit deinen Projektmanagement-Apps unterhalten, statt zu tippen, genau wie du Alexa oder Siri nach dem Wetter oder den neuesten Nachrichten fragst. „Wie sieht unser Budget aus, Pam?“ oder „Zeig mir die aktuellste Projekt-Zeitleiste, Pam!“ Gartner prognostiziert, dass die durchschnittliche Person im Jahr 2020 „mehr Gespräche mit Bots als mit ihrem Ehepartner“ führen wird.

In der Zukunft könnte KI enorme Datenmengen analysieren und anhand dieser Analyse Empfehlungen für Unternehmen aussprechen. Die Menge der Daten wächst ständig an und lässt traditionelle Methoden zunehmend unpraktisch werden. Vorstellbar ist auch eine Zukunft, in der du neue Mitarbeiter anhand von Cultural Fit und Softskills einstellst und deine KI ihnen anhand ihrer quantitativ feststellbaren Erfahrung und Eignung die ideale Rolle in deinem Unternehmen zuweist.

Aber lass dich nicht zu sehr davon mitreißen. Auch wenn Algorithmen und Sprachassistenten Projektmanagern in naher Zukunft eine Hilfe sein werden, kann es noch sehr lange dauern, bis KI-Drohnen unsere Assistenten sind oder wir Roboter am Arbeitsplatz nutzen können. In Gartners Artificial Intelligence Primer for 2018 (Gartner-Kunden steht der vollständige Bericht zur Verfügung) schreiben Whit Andrews und Tom Austin: „Das transformative Potential der KI wird durch einen übermäßigen Hype gefesselt, der zu Missverständnissen, überhöhten Erwartungen und verzerrten Einschätzungen des geschäftlichen Werts der KI führt.“

In anderen Worten: Sei dankbar für unsere KI-unterstützten Risikomanagement-Analysen und Budget-Prognosen und blicke optimistisch in Richtung der humanoiden Cyborg-Projektmanager der Zukunft.

2. Mikrochips

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Das ist ein Mikrochip, aber nur als nicht-permanentes Tattoo

Science Fiction

Im ersten Film von George Lucas – „THX 1138“ – wird jeder Mensch mit einem Code aus einem dreistelligen Präfix und einer vierstelligen Nummer gekennzeichnet und von Roboterpolizisten kontrolliert. Im Film „The Terminal Man“ von 1974 – nach dem Roman von Michael Crichton – werden einem Geisteskranken Neurotransmitter ins Gehirn implantiert, um Impulse der Gewalt zu kontrollieren. In „Matrix“ wird Neo über einen Computer Kung Fu ins Gehirn geladen.

Die EarPods von Dr. Who haben die Macht, ihren Träger in Trance zu versetzen und aus der Ferne steuern zu lassen oder ihn in einen übermenschlichen Cyberman zu verwandeln.

Die Science-Fiction-Community ist sich noch nicht darüber einig, ob Mikrochips in der Zukunft für die supereffiziente Identifizierung und Nachverfolgung von Individuen, für die Verhaltenskontrolle oder für beschleunigtes Lernen eingesetzt werden. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich für die letzte Option entscheiden. Wäre es nicht klasse, in 10 Sekunden Wasserski zu lernen?

Die Realität

Ein paar Unternehmen haben bereits begonnen, Angestellten Mikrochips zu implantieren, um sie effizienter zu identifizieren. (Natürlich freiwillig.)

Letzten Sommer bot die Automatenfirma Three Square Market ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich Mikrochips der schwedischen Elektronikfirma Biohax International zwischen Daumen und Zeigefinger in die Haut implantieren zu lassen.

Der etwa reiskorngroße Chip ermöglicht es den Mitarbeitern, sich per Near Field Communication zu identifizieren, um Zugang zu Gebäuden und Computern zu erhalten oder Zahlungen an Verkaufsautomaten vorzunehmen. Er ist nicht GPS-fähig, sodass die Mitarbeiter nicht befürchten müssen, geortet zu werden, wenn sie sich krank melden.

Three Square Market gab an, dass sich mehr als die Hälfte der Mitarbeiter freiwillig für den Chip meldeten.

Was bedeutet dies für die Zukunft des Projektmanagements?

Stell dir vor, du sitzt an deiner Workstation und verwaltest ein Team von Ingenieuren. In deiner Projektmanagement-Software siehst du nicht nur ein Foto von jedem Mitarbeiter, sondern Symbole auf einer Karte zeigen dir außerdem – in Echtzeit –, wo sich jeder Mitarbeiter befindet, an welcher Aufgabe er arbeitet und wie lange er schon arbeitet.

Der Datenschutz ist sicherlich ein Problem, doch andererseits haben Manager schon seit Jahren die Möglichkeit, die Unternehmenscomputernutzung und das Social-Media-Verhalten ihrer Angestellten zu überwachen.

Das Tracken von Mitarbeitern ist eine Möglichkeit, wie Mikrochips das Projektmanagement verändern können. DARPA arbeitet an einem weiteren Projekt, das globale Auswirkungen haben könnte.

Das Neural Engineering System Design-Programm, das darauf abzielt, das Gehirn mit externer Elektronik zu verbinden, könnte es Menschen zukünftig ermöglichen, sich über eine Schnittstelle direkt mit Maschinen zu verbinden. DARPA sagt dazu:

Eine solche Schnittstelle würde die von Neuronen im Gehirn verwendeten elektrochemischen Signale in die Nullen und Einsen verwandeln, die die Sprache der Informationstechnologie ausmachen, und das in einem sehr viel größeren Umfang, als aktuell möglich ist.

In der Praxis könnte dies Dinge wie Cochlea-Implantate, die in beliebige Sprachen übersetzen, künstliche Augen, die Informationen zum Gesehenen einblenden, oder kybernetische Gliedmaßen ermöglichen. Anders gesagt: Wir sind einem realen RoboCop einen Schritt näher.

3. Videokonferenzen

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Zum Glück haben wir heutzutage hochauflösendere Bildschirme für unsere Videoanrufe

Science Fiction

In „Star Trek“ (der Originalserie) kommuniziert Captain Kirk regelmäßig mit Freund und Feind über Videokonferenzen. In den 1960er Jahren wirkte diese Technologie atemberaubend, auch wenn auf der Weltausstellung von 1964 ein rudimentäres Videotelefon zu sehen war.

Seitdem gingen von „Die Jetsons“ bis hin zu „Star Wars“ alle davon aus, dass Videokonferenztechnologien in der Zukunft allgegenwärtig sein werden. Selbst im Urgestein aller Science-Fiction-Filme, „Metropolis“ von Fritz Lang (1927), gibt es ein Videotelefon.

Seit der Erfindung von Telefon und Video fiel es nie besonders schwer, sich beide zusammen vorzustellen. Adi Robertson schrieb in The Verge: „Videoanrufe sind eine der ältesten und unverwüstlichsten Ideen in der Science-Fiction.“

Die Realität

Videokonferenzen wurden scheinbar über Nacht von einem phantastischen Science-Fiction-Konzept zu einem unverzichtbaren Business-Tool im echten Leben.

Mit Skype for Business können Vortragende Umfragen starten und ihren Bildschirm an andere Anrufteilnehmer freigeben. Livestreams ermöglichen es jedem Menschen mit einem Computer oder Smartphone und einer Internetverbindung, rund um den Globus zu senden.

Videokonferenzen haben Projektmanagern geholfen, die Grenzen zwischen remote arbeitenden Teams abzubauen und enorm an Reisekosten zu sparen, wenn es um Meetings geht.

Wie sieht die Zukunft der Videokonferenzen für das Projektmanagement aus?

Mangelhafte Kommunikation ist der Hauptgrund für das Scheitern von fast 40 % der nicht erfolgreichen Projekte, was zeigt, wie bedeutend es ist, so viele Kommunikationsbarrieren abzubauen wie möglich.

Stell dir eine dreidimensionale Videokonferenz vor, bei der du dich mit deinen Kollegen in einem „Star Trek“-artigen Holodeck befindest. Anstatt euch durch einen fremdartigen Dschungel zu kämpfen, betrachtet ihr jedoch eine automatisch übersetzte Präsentation und sitzt rund um einen virtuellen Konferenztisch.

4. Virtual Reality

modernes Projektmanagement

Wenn Virtual Reality so wehtut, machst du es wahrscheinlich falsch

Science Fiction

Eine der visuell eindrucksvollsten Darstellungen von Virtual Reality in der Science-Fiction findet sich im Disney-Film „Tron“ von 1982. Der Programmierer Kevin Flynn (gespielt von Jeff Bridges) dringt in den Hauptcomputer ein und kämpft gegen das Master Control Program in einer Art virtueller Realität.

Im Jahr darauf gab es in „Brainstorm“ (mit Christopher Walken) eine etwas realistischere, aber weniger familienfreundliche Vision von Virtual Reality zu sehen. Die 1990er Jahre waren eine fruchtbare Zeit für virtuelle Realität in der Science-Fiction: „Der Rasenmähermann“, „Vernetzt – Johnny Mnemonic“ und „Virtuosity“ brachten vielseitige Interpretationen der Technologie in die Kinosäle.

Zu den neueren – und erfolgreicheren – Filmen gehören „Avatar“ und „Inception“.

Diese sehr unterschiedlichen Filme haben eine Gemeinsamkeit: die Idee, dass die Grenze zwischen der virtuellen Realität und der tatsächlichen Realität irgendwann verschwimmt. Erleben die Charaktere die Realität oder eine virtuelle Realität – und wann ist der Punkt erreicht, an dem es keinen Unterschied mehr macht?

Die Realität

Auch wenn wir noch keine riesigen Headsets aufsetzen und Projekte in einer virtuellen Welt verwalten, ist Augmented Reality – die kleine Schwester der Virtual Reality – durch Apps wie Snapchat, Giphy World und Ikea Place auf dem besten Weg in unser Alltagsleben.

Beim Gartner Symposium/ITxpo 2016 in Orlando sagte Daryl Plummer von Gartner voraus, in der nahen Zukunft würden „Digital Experience und Engagement die Menschen zu pausenlosen virtuellen Interaktionen bringen“.

Was ist damit gemeint? Manches kann man sich leicht ausmalen, zum Beispiel in ein Lebensmittelgeschäft zu gehen, in dem die Preise für jedes Produkt digital angezeigt werden, entweder auf dem Bildschirm deines Smartphones, durch dessen Kamera du auf die Regale blickst, oder über ein leichtes Headset (wie Google Glass) mit Head-up-Display.

Was bedeutet das für das Projektmanagement? Stell dir vor, du scannst einen Ort mit einem Tablet oder Headset und siehst seine physischen Abmessungen als Overlay auf dem Bildschirm oder Heads-up-Display – oder du blickst auf eine Reihe von Servern und erfährst sofort die Kapazität, die Lebenserwartung und den finanziellen Wert jedes Postens.

VR-Headsets wie Samsung Gear, Oculus Rift und Google Daydream werden immer leichter und kostengünstiger. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis diese AR-Anwendungen zu einer kompletten virtuellen Realität erweitert werden. Sobald dies der Fall ist, wirst du nicht mehr physisch an einem Ort anwesend sein müssen, um den Eindruck zu haben, dort zu sein, und um seine Bedeutung für dein Projekt zu analysieren.

Virtual Reality könnte auch für Projektmanagement-Schulungen genutzt werden: Die Kursteilnehmer hätten die Möglichkeit, in einer virtuellen Umgebung mit einem anspruchsvollen Produktinhaber zu interagieren oder an einem Daily-Scrum-Meeting teilzunehmen, ohne dass echtes Geld und echte Jobs auf dem Spiel stehen.

Was sind deine Prognosen zu modernem Projektmanagement?

Künstliche Intelligenz und Virtual Reality sind Teil unserer Realität geworden und es ist ein guter Zeitpunkt, um sich vorzustellen, welche phantastischen Technologien Projektmanager wohl im Jahr 2100 verwenden werden. Zeitreisen? Damit wären Deadlines eindeutig kein so großes Problem mehr … Teleportation? Wozu Remote-Teams, wenn physische Meetings nur einen kurzen Sprung durch Raum und Zeit erfordern!

Was sind deine Gedanken und Zukunftsvisionen über modernes Projektmanagement? Erzähl es mir unten in den Kommentaren!